Arme Schlucker – Drug-Checking in Österreich

Chemiker untersuchen, ob in Drogen das drin ist, was der Dealer verspricht. In Österreich ist das üblich, in Deutschland verboten. Wieso eigentlich? 

DIE ZEIT, 11. Februar 2014
von Oskar Piegsa 

Draußen vor der Tür glimmt ein Joint in der Dunkelheit, drinnen vertickt jemand Tabletten (“You need MDMA?”) – die Party in dem Technoclub in Wien kann langsam losgehen. Vor einer mit einer Zeltplane abgehangenen Ecke stehen sechs oder sieben Leute und warten, ein Junge mit Pudelmütze und ein Mädchen mit Pickeln auf der Stirn. Sie reden über schlechte Trips und darüber, was sie sich heute noch einwerfen wollen. Alle zehn, zwölf Minuten öffnet sich die Plane einen Spalt breit, jemand huscht heraus, und der Nächste darf durch, zum kleinen Tisch, auf dem eine Waage, ein Laptop und kleine Plastikröhrchen mit Ecstasy und Speed stehen.

Der Mann hinter dem Tisch stellt Fragen, ein Typ mit kurzen Haaren, schwarzem T-Shirt und tätowierten Unterarmen. “Schluckste oder ziehste?” Die Antworten gibt er in ein Formular in seinem Laptop ein. Substanz: Kokain. Konsumart: nasal. Ein paar Milligramm von dem mitgebrachten Koks behält er da, dankt für die Auskunft und händigt zum Schniefen noch einen der kurzen Schläuche aus, die auf dem Tisch liegen, keimfrei und mit nasensanft abgerundeten Ecken. Dann kommt der Nächste in der Schlange dran.

Der Mann hinter der Zeltplane ist kein Dealer, sondern Mitarbeiter eines Forschungsprojektes. Wer mit Koks oder Tabletten in den Club kommt, kann in der Drogenecke eine Probe davon abgeben. Sie wird in einem Labor anonym und kostenlos untersucht und das Resultat noch heute Nacht im Club ausgehängt. Dann erfährt man, ob die Droge gestreckt oder verunreinigt ist. Das Verfahren heißt Drug-Checking. So geht Drogenprävention in Österreich.

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LSD

 Szenenamen:
Acid, Alice, Hoffmannstropfen, Lucy, Micros, Microdots, Pappen, Papers, Pillen, Stickers, Trip, Windows

 Substanz:
LSD ist ein farb-, geruchs- und geschmackloser Stoff, der 1943 von Albert Hofmann bei Forschungsarbeiten über die Mutterkornalkaloide entdeckt wurde. Die in wäßriger Lösung vorliegende Substanz wird auf verschiedenen Träger (z. Bsp. Fließpapier, Comicstrips, Zuckerstücke, Pillen oder Kapseln) angeboten und üblicherweise geschluckt, wobei eine erste Aufnahme des Stoffes bereits über die Mundschleimhaut erfolgt. Bei Anwendung in der Psychiatrie ist der Stoff häufig gespritzt worden. Die Aufname von LSD über die Haut ist nicht möglich.

 Wirkung:
Je nach eingenommener Menge (die wirksame Dosis LSD beginnt bereits bei 20 microgramm, eine „übliche“ Dosis liegt bei 100 microgramm) wirkt LSD zwischen 4 und 16 Stunden. Bei gleichzeitigem Gebrauch von Amphetaminen (Speed) kannst du bis zu 70-stündige Rauschzustände (sogenannte „bad-trips“) erleben. LSD löst fundamentale Veränderungen des Bewußtseins, der Ich-Empfindung und der Sinnesreize aus. Die optische Wahrnehmung, das Gehör-, Geruchs-, Geschmacks- und Tastempfinden sind zum Teil sehr stark verändert und können sich überlagern. Dies bedeutet, daß z.B. Musik schillernde Farbvisionen erzeugen kann. Im Rausch überwiegt ein hoher Wachzustand, so daß du dich an alle Erlebnisse später erinnern kannst. Stimmungen und Gefühle verändern sich oft abrupt und völlig unerwartet. Innerhalb kurzer Zeit kann fröhliches Gelächter in Angst und Entsetzen umschlagen. LSD kann Erinnerungen und Gefühle aktivieren, die unter normalen Bedingungen nicht erlebt und wahrgenommen werden, positive und negative! Unter schlechten Voraussetzungen können sogenannte „Horrortrips“, Zustände massiver Angst, Depressionen oder andere unangenehme Gefühle auftreten.

 Gefahren:
Im LSD-Rausch besteht erhöhte Unfallgefahr, durch Überschätzung der eigenen Fähigkeiten. Es kann zu schwer kontrollierbaren Angstzuständen mit Verfolgungs- und Todesideen kommen. Psychisch nicht stabile Menschen können „hängenbleiben“. Dabei wird das Rauscherlebnis nicht vollständig verarbeitet und wirkt sich negativ auf das Alltagsleben der Betroffenen aus. Dies kann unter Umständen bis zu schweren seelischen Erkrankungen (Psychose) führen. Noch Wochen nach der letzten Einnahme wurden „Flash-backs“ beschrieben. Das sind völlig unverhofft auftretende rauschartige Zustände ohne erneute Drogeneinnahme. Der Gebrauch von LSD führt zur Toleranzbildung. Eine entsprechende Wirkung (bei gleicher Dosis) wird erst nach frühestens einer Woche wieder erreicht. LSD bewirkt keine körperliche, kann aber (in seltenen Fällen) zu psychischer Abhängigkeit führen. Der Mischkonsum mit Speed kann zu 70-stündigen Rauschzuständen führen. Diese sind eine enorme Belastung für Psyche und Körper und können zu lebensbedrohlichen Zuständen führen. Die Gefahr von Krampfanfällen ist unter LSD erhöht.

Safer use:
Wer sich in psychiatrischer Behandlung befindet, Herz-Kreislauf-Krankheiten hat oder an Krampfanfällen leidet, sollte unbedingt auf den Gebrauch von LSD verzichten.
Niemals solltest Du LSD nehmen, wenn Du ein Fahrzeug zu führen hast,  schlecht drauf bist oder Angst hast.
Der Mischkonsum mit anderen Drogen, auch Alkohol, sollte auf jeden Fall unterbleiben, da die Wirkungen nicht berechenbar sind.
LSD sollte nicht mit vollem Magen eingenommen werden, da sich dadurch die Wirkung verzögern kann.
Beim Gebrauch von LSD muß das Umfeld stimmen.
Wohlbefinden und eine Vertrauensperson in der Nähe können helfen, schwierige Situationen zu vermeiden.
LSD ist keine Partydroge!
Auf halluzinogenen Reisen ist die Lust auf Sex häufig stark ausgeprägt.
Unbedingt sollte vorher besprochen werden, ob und wie Sex praktiziert wird und es müssen entsprechende Safer-Sex-Methoden bekannt sein.
Nach einem Trip braucht der Körper die Möglichkeit sich zu entspannen.
Wichtig ist es, ausreichend zu schlafen.
Nach schlechten Erlebnissen sollte man versuchen, die Gedanken auf eine positive Ebene zu leiten bzw. ist es ratsam eine Drogenberatungsstelle aufzusuchen oder psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Die entscheidenden Einflüsse für die Qualität einer LSD-Erfahrung sind die Persönlichkeit und die individuellen Lebenserfahrungen des Konsumenten, die innere Einstellung (set), die äußeren Umstände (setting) und die Dosis.
Wer einer anderen Person ohne deren Wissen LSD verabreicht, handelt absolut unverantwortlich!

 1.Hilfe:
Wenn der Nutzer in Panik gerät: Bring den Nutzer in eine ruhige Umgebung, wo er sich gut fühlt. Finde einen Freund, der ihn beruhigen kann. Die Überlastung, welche von der Droge erzeugt wurde, und die Panik auslöste, wird in wenigen Stunden nachlassen. Sag ihm/ihr, er/sie soll sich entspannen, und sich treiben lassen. Wenn er/sie unkontrollierbar und hysterisch wird, dann ruf einen Doktor, oder bring ihn/sie in ein Krankehaus. Denk dran, Krankenhäuser können jemanden bedrücken und somit noch mehr Panik erzeugen, also nutze das als letzte Möglichkeit. Ansonsten können Getränke mit hohem Vitamin C- Gehalt die Wirkung von LSD senken.

Geschichte:
Seit Jahrhunderten ist das Mutterkorn bekannt, ein Pilz, der an Getreideähren schmarotzt und vor allem in feuchten Sommern ganze Kornfelder verderben kann. Früher warfen die Bauern aus Unwissenheit, Hunger oder Geiz die befallenen Ähren nicht fort. Das Mutterkorn geriet ins Brot und führte zu epidemischen Vergiftungen, die in alten Chroniken als “Ignis sacer” (= heiliges Feuer) oder “Gottesrache”, “Antonius-Feuer” oder “St. Martialis-Feuer” beschrieben werden. LSD wurde erstmals 1938 durch den schweizer Chemiker Albert Hofmann in den pharmazeutisch-chemischen Forschungslaboratorien der Firma Sandoz in Basel hergestellt. Die genaue Bezeichnung der neuen Substanz war “d-Lysergsäure-Diäthylamid-tartrat” – abgekürzt LSD. LSD wurde einige Jahre später unter dem Handelsnamen Delysid von Sandoz auf den Markt gebracht und in den fünfziger Jahren eingehend auf seine Verwendbarkeit in der experimentellen Psychologie überprüft. Aldous Huxley brachte 1956 den Begriff “psychedelisch” auf – es leitet sich von “psyche” (Seele, Geist) und “delos” (hervorbringend oder manifestierend) her. Er war einer der ersten, der die Droge außerhalb einer medizinischen Anwendung probierten. Damit erlebte LSD im Zusammenhang mit der Psychedelik-Mode seine bislang größte Popularität und inspirierte zahlreiche Künstler aus Musik und Bildender Kunst. Dr. Timothy Leary hatte Anfang der sechziger Jahre an der Harvarduniversität mit LSD vielversprechende Versuche gemacht. Als sich dann aus Testserien LSD-Parties entwickelten, wurde Timothy Leary aus dem Lehrkörper entlassen und gründete eine eigene Organisation, die IFIF (International Federation for Internal Freedom). Leary´s Slogan “turn on – tune in – drop out!” wurde zu einem zentralen Glaubenssatz der Hippiebewegung. Am 16.10.1966 wurde es in den USA verboten. Unter maßgeblichem Einfluß der USA wurden die Halluzinogene dann in die Liste der besonders gefährlichen Drogen (UNO Single Convention on Narcotic Drugs) gesetzt, was einem Totalverbot des LSD für Therapie, Forschung und Freizeitgebrauch bedeutet. In der Bundesrepublik ist LSD seit 1971 im Betäubungsmittelgesetz als nicht verkehrsfähig eingestuft. LSD hat seit den siebziger Jahren einen relativ festen Konsumentenstamm und ist im Zusammenhang mit dem Aufkommen der “Designer-Drogen” in den letzten Jahren wieder populärer geworden.

Diese Informationen sind keine Anleitung oder Motivierung zum Drogenkonsum!