Bündnis’90/Grüne: Deutliche Zunahme von Suchterkrankungen – Bundesregierung vernachlässigt Suchtkranke

Pressemitteilung Nr. 0011-14 der Fraktion von Bündnis’90/Die Grünen im Deutschen Bundestag vom 09.01.2014 [im Original lesen auf gruene-bundestag.de]

Zum jetzt veröffentlichten Suchtsurvey des Instituts für Therapieforschung erklärt Harald Terpe, Sprecher für Drogen- und Suchtpolitik:

Die jetzt veröffentlichten Zahlen sind die Quittung für eine untätige Sucht- und Drogenpolitik in den letzten vier Jahren. Es ist alarmierend, dass die Zahl der Alkoholabhängigen in Deutschland von 2006 bis 2012 von 1,3 Millionen auf 1,77 Millionen – also um 36 Prozent – angestiegen ist. Die Zahl der Medikamentenabhängigen stieg sogar von 1,5 Millionen auf 2,3 Millionen und damit um 53 Prozent. Und von den 30 Prozent der Bevölkerung, die rauchen, leidet jeder Dritte (10,8 Prozent) an einer Tabakabhängigkeit.

Hinter diesen Zahlen verbergen sich zahlreiche Familientragödien, denn mit den Abhängigen leiden auch ihre Familien und insbesondere die Kinder. Schnelle Hilfe ist geboten, doch häufig warten Abhängige monatelang auf die Genehmigung ihrer Therapie. Auch zwischen Entgiftung und Therapie entstehen oft wochenlange Wartezeiten. Es ist dringend notwendig, die Angebote für Suchtkranke in Deutschland zu verbessern.

Wir fordern deshalb: Eine Frühintervention durch den Arzt bei Verdacht auf Suchtprobleme. Eine schnellere Genehmigung von Therapieanträgen, insbesondere für ambulante Angebote. Eine systematische Einbeziehung der Selbsthilfe, insbesondere nach Abschluss der Therapie. Mehr ambulante Angebote für ältere Suchtkranke. Eine Anerkennung von Raucherentwöhnung als Kassenleistung. Zudem hat Bundesgesundheitsminister Gröhe bis heute noch keine neue Drogenbeauftragte der Bundesregierung ernannt. Wir fordern Herrn Gröhe daher auf, der Suchtprävention und -therapie mehr Energie als sein Vorgänger zu widmen.

Hintergrund:

Der “Epidemiologische Suchtsurvey” wird im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit durch das Institut für Therapieforschung mit Sitz in München erhoben. Die Daten wurden soeben in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift “Sucht” veröffentlicht (Heft 6, 2013). Das Bundesministerium für Gesundheit finanziert die Studie, die Daten liegen dort seit Herbst 2013 vor, wurden aber weder durch dieses veröffentlicht noch kommentiert.

Wenn Suchtkranke nicht in die Klinik wollen

Wenn Suchtkranke nicht in die Klinik wollen
In der Aue gibt es Brandenburgs erste Tageseinrichtung – mit Warteliste

PNN, 09.06.2012
von S. Pyanoe

Babelsberg – Für Suchterkrankungen gilt: Je länger die Phase des Entzugs, desto niedriger das Rückfallrisiko. Die neue, in Brandenburg einzige Tagesklinik für Abhängigkeitserkrankungen will hier anknüpfen. Wer nach dem stationären Entzug oder von Anfang an für eine ambulante Betreuung bereit ist, für den ist die neue Tagesklinik des Klinikums „Ernst von Bergmann“ in Babelsberg eine Alternative zum Krankenhaus.

Am gestrigen Freitag wurde das Haus offiziell eröffnet. Nach den guten Wünschen der Beigeordneten für Gesundheit, Elona Müller-Preinesberger (parteilos), konnten Klinikchef Christian Kieser sowie seine Kollegen Oberärztin Sibylle Kaps-Sommer, Matthias Kusch und Philipp Neumann von ersten Reaktionen der Patienten berichten. Diese hätten sich in Fragebögen sehr zufrieden geäußert, sagte Kieser. Die Tagesklinik in der Straße In der Aue kann 15 Patienten gleichzeitig betreuen, überweisen kann jeder Arzt.

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