Rauschfunk 5 – Amphetamin

 

Rauschfunk meldet sich nach der langen Sommerpause zurück mit einer XL-Sendung, die komplett einer einzigen Substanz gewidmet ist: Amphetamin. „Speed“ oder „Pep“ gehört zu den verbreitetsten synthetischen Drogen überhaupt, und doch gibt es um sie herum keinen Mythos wie etwa um Cannabis, MDMA oder LSD.

Wir steigen tief in die Chemie und Geschichte des Amphetamins ein, lassen Konsument*innen zu Wort kommen, geben Safer Use-Hinweise, sprechen über prominente Konsument*innen und beleuchten Speed als Kriegswaffe, Medizin und Partydroge.

Aus rechtlichen Gründen mussten wir die Musik aus dem Podcast leider rausschneiden.

 

Playlist

  • „Butterflies“ (Leon Vynehall)
  • „Black Russian“ (DVS1)
  • „Black Block“ (Modeselektor)
  • „Open Door“ (LoSoul)
  • „Little Fluffy Clouds“ (The Orb)

 

Shownotes

Arme Schlucker – Drug-Checking in Österreich

Chemiker untersuchen, ob in Drogen das drin ist, was der Dealer verspricht. In Österreich ist das üblich, in Deutschland verboten. Wieso eigentlich? 

DIE ZEIT, 11. Februar 2014
von Oskar Piegsa 

Draußen vor der Tür glimmt ein Joint in der Dunkelheit, drinnen vertickt jemand Tabletten („You need MDMA?“) – die Party in dem Technoclub in Wien kann langsam losgehen. Vor einer mit einer Zeltplane abgehangenen Ecke stehen sechs oder sieben Leute und warten, ein Junge mit Pudelmütze und ein Mädchen mit Pickeln auf der Stirn. Sie reden über schlechte Trips und darüber, was sie sich heute noch einwerfen wollen. Alle zehn, zwölf Minuten öffnet sich die Plane einen Spalt breit, jemand huscht heraus, und der Nächste darf durch, zum kleinen Tisch, auf dem eine Waage, ein Laptop und kleine Plastikröhrchen mit Ecstasy und Speed stehen.

Der Mann hinter dem Tisch stellt Fragen, ein Typ mit kurzen Haaren, schwarzem T-Shirt und tätowierten Unterarmen. „Schluckste oder ziehste?“ Die Antworten gibt er in ein Formular in seinem Laptop ein. Substanz: Kokain. Konsumart: nasal. Ein paar Milligramm von dem mitgebrachten Koks behält er da, dankt für die Auskunft und händigt zum Schniefen noch einen der kurzen Schläuche aus, die auf dem Tisch liegen, keimfrei und mit nasensanft abgerundeten Ecken. Dann kommt der Nächste in der Schlange dran.

Der Mann hinter der Zeltplane ist kein Dealer, sondern Mitarbeiter eines Forschungsprojektes. Wer mit Koks oder Tabletten in den Club kommt, kann in der Drogenecke eine Probe davon abgeben. Sie wird in einem Labor anonym und kostenlos untersucht und das Resultat noch heute Nacht im Club ausgehängt. Dann erfährt man, ob die Droge gestreckt oder verunreinigt ist. Das Verfahren heißt Drug-Checking. So geht Drogenprävention in Österreich.

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AOK-Report: „Gehirndoping“ bei der Arbeit nimmt zu

Ärzte Zeitung, 23.08.2013
Von Anno Fricke

Arbeiten auf Speed – für immer mehr Berufstätige trifft das zu. Die Folge: Die Zahl der Arbeitsausfälle aufgrund des Missbrauchs von Amphetaminen ist laut einem AOK-Report innerhalb von zehn Jahren um 400 Prozent gestiegen. Doch die illegalen Drogen stellen nicht das größte Problem dar.

BERLIN. Die Arbeitsverdichtung in den Unternehmen, die Forderungen nach Mobilität und ständiger Verfügbarkeit senken die Hemmschwelle, zu leistungssteigernden Drogen zu greifen. Dies geht aus dem Fehlzeitenreport hervor, den das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) am Donnerstag in Berlin vorgestellt hat.

Die Dynamik der Entwicklung ist enorm. Um rund 400 Prozent von 8100 auf 30.000 ist die Zahl der Fehltage aufgrund des Gebrauchs von stimulierenden Drogen seit dem Jahr 2002 gestiegen. Die Dunkelziffer der Amphetamin-, Ritalin- und Modafinil-Konsumenten am Arbeitsplatz schätzen die Wissenschaftler hoch.

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„Jeder fünfte Zehntklässler hat probiert“

„Jeder fünfte Zehntklässler hat probiert“

PNN, 26.06.2013
Herr Schmolke, wie verbreitet ist der regelmäßige Konsum von illegalen Drogen unter Jugendlichen?

Überwiegend wird von den Jugendlichen Cannabis in unterschiedlichen Formen konsumiert. Der Anteil der regelmäßigen Konsumenten ist über lange Jahre stabil zwischen zwei und drei Prozent. Größere Schwankungen gibt es hingegen beim sogenannten Probierkonsum. Der ist in den letzten Jahren zurückgegangen. Nach der letzten Schülerbefragung haben knapp 20 Prozent der Potsdamer in der 10. Klasse schon einmal Cannabis probiert.

Wie sieht es mit anderen Drogen aus?

Solche Fälle gibt es natürlich auch. Das wissen wir aus der Beratung. Allerdings sind sie so selten, dass man den Konsum kaum statistisch erfassen kann. Und der Konsum bei jungen Erwachsenen ist kaum untersucht.

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Bei Anruf Rauschgift

Ein 31-jähriger Drewitzer soll einem 15-Jährigen regelmäßig Drogen verkauft haben. Nun steht er vor Gericht. 2012 gab es in Potsdam 301 Drogendelikte

PNN, 26.06.2013

Es war so einfach für Fabian F.*: Ein Anruf in der Drewitzer Wohnung des vermeintlichen Dealers genügte und der 15-Jährige wurde mit Stoff versorgt. Zwischen Januar und September 2012 soll der vorbestrafte Ronny R.* dem Jugendlichen fast täglich Cannabis und Speed zum Grammpreis von je zehn Euro verkauft haben – insgesamt 180 Mal. Derzeit muss sich der Hartz-IV-Empfänger wegen unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln vor dem Landgericht verantworten. Bei einer Verurteilung drohen ihm mindestens vier Jahre Haft.

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Anhörung zu Methamphetamin, Cannabis und Legal Highs im Deutschen Bundestag

Zum drogenpolitischen im Umgang mit Methamphetamin (Crystal), Cannabis und sogenannten Legal Highs fand am 17. April eine Anhörung im Gesundheitsausschuss des  Deutschen Bundestags statt.

Informationen finden sich unter anderem auf bundestag.de

Die Stellungnahmen zur Anhörung finden sich hier.

Hitler-Speed und Räuchermischung
SPD-Antrag zur Drogenprävention empört Experten

Neues Deutschland, 18.04.2013
Von Fabian Lambeck

Hoch her ging es am Mittwoch während einer Bundestagsanhörung zur Drogenpolitik. Ein Experte war extra angereist, um sich über den Missbrauch seiner Studie durch die SPD zu beschweren. Zudem beklatschten Zuschauer die Äußerungen eines US-amerikanischen Drogenfachmanns.

»Das Gegenteil von gut ist nicht böse, sondern gut gemeint«, sagte Kurt Tucholsky einmal. Die Bundestagsfraktion der SPD führte sicher nichts Böses im Schilde, als sie ihren Antrag ausarbeitete. Die Genossen wollen den Konsum von Methamphetaminen durch Prävention eindämmen und neue synthetische Drogen, sogenannte Legal Highs, europaweit effizienter bekämpfen. Dabei berief sich die Fraktion auf eine Studie des Frankfurter Drogenexperten Bernd Werse. Dieser wiederum war schwer empört, als er hörte und las, wozu seine Forschungsergebnisse benutzt werden.

Und so kam Werse auch zur gestrigen Anhörung des Gesundheitsausschusses, bei der jener SPD-Antrag von Fachleuten diskutiert wurde. Ihm war die Empörung noch anzumerken, als er sich zu Nachfragen des LINKEN-Abgeordneten Frank Tempel äußerte: »Unsere Studie zu den Legal Highs hat nichts mit Crystal Meth zu tun«, so Werse. Dazu seien beide Drogen zu verschieden. Die SPD hatte aber beide in einen Topf geworfen. Bei Legal Highs handelt es sich nicht um eine bestimmte Substanz. Vielmehr verbergen sich hinter dieser Sammelbezeichnung so grundverschiedene Dinge wie Räuchermischungen, synthetische Stoffe oder Herbal Highs, die aus Pflanzenteilen und Chemie bestehen. Auch hinsichtlich ihrer Wirkung ähneln sie sich nicht. Die einen wirken beruhigend, andere aufputschend und viele auch gar nicht. Todesfälle seien bislang nicht bekannt, so Werse in seiner Stellungnahme.

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Speed (Amphetamin)

 Szenenamen:
A, AN 1, Arbeiterkoks, bennies, Black Beauty, Cappies, Capis (Captagon), Co-pilots, Crank, Crystal (Methamphetamin), Ice (Methamphetamin), Kristall (Methamphetamin), Los Angeles turnarounds, oranges, Peppen, Peppers, Pep Pilots, Pink Football, Power, Reaktivan, Ritas (Ritalin), Speed, Tradon, Uppers, Ups, Vitamin A, Weckmittel

 Substanz:
Unter Speed versteht man Zubereitungen, die das vollsynthetische Amphetamin und Methamphetamin enthalten. Bei beiden Wirkstoffen handelt es sich um stark aufputschende, kokainähnliche Psychostimulanzien. Speed wird meistens als weißes, kristallines Pulver angeboten. Seltener ist es als Pille oder Kapsel auf dem Markt. Speed wird am häufigsten gesnieft oder als Pille/Kapsel eingenommen. Eine riskantere Konsumform ist das Rauchen der freien Metampetaminbase („Ice“). Bei Analysen von Speed (Eve & Rave 1996) schwankte der Amphetamingehalt zwischen 11 und 83 %,  durchschnittlich waren 25% Metamphetamin, 15% Amphetamin, 15% Ephidrin, 15% Koffein und 30% Verschnittstoffe (Milchpulver, Waschpulver, Traubenzucker u.a.) enthalten. Amphetamine haben ein geringes körperliches und ein hohes psychisches Abhängigkeitspotential.

 Wirkung:
Beim Konsum von Speed kommt es zum Blutdruckanstieg und einer Beschleunigung der Herzfrequenz verbunden mit einer Erhöhung der Körpertemperatur. Die Bronchialmuskulatur ist entspannt und der Atemrhythmus gesteigert. Es kommt zu einer verstärkten motorischen Aktivität, erhöhter Leistungsbereitschaft und gesteigertem Rededrang. Eine erhöhte Aufmerksamkeit (Wachheit) und ein gesteigertes Selbstbewußtsein (Stärke/ Euphorie) gehen mit der Verminderung von Schmerzempfinden, Hungergefühl und der Wahrnehmung von Müdigkeit einher. Unter Speed bist du in der Lage, extreme körperliche Belastungen auszuhalten. Es ist möglich, mehrere Tage durchzutanzen, zu arbeiten oder sportliche Leistungen zu vollbringen. Die Wirkdauer beträgt ca. 12- 30 Stunden!

 Gefahren:
Amphetaminkonsum setzt deinen Körper extremen Belastungen aus. Dreißig Stunden ohne Schlaf bei gleichzeitiger körperlicher Belastung bringt jeden Menschen an seine Leistungsgrenze. Nach übermäßigem Speedgebrauch sind Infarkte (Herz und Hirn), Krampfanfälle und Kreislaufzusammenbrüche beobachtet worden.
Beim Abklingen der Wirkung können Depressionen auftreten, welche mit Schlafstörungen einhergehen.

Chronischer Konsum führt häufig zu Gereiztheit und möglicherweise zu gesteigerter Aggressivität. Auch ist das Auftreten einer sogenannten Amphetaminpsychose denkbar.

Der Gebrauch von Amphetaminen bringt sehr schnell eine Toleranzbildung mit sich. Dies bedeutet, daß du immer mehr Stoff konsumieren mußt, um eine ähnliche Wirkung zu erzielen. Bei regelmäßigem Gebrauch zehrt Speed deinen Körper aus. Ein weiteres Risiko liegt in den unterschiedlichen Verschnittstoffen, die dir nicht bekannt sind und unter Umständen zu starken Nebenwirkungen (z.B. Strychnin) führen können.

Safer use:
Menschen mit Bluthochdruck, Krampfleiden, Herzerkrankungen oder psychischen Problemen sollten unbedingt auf den Konsum verzichten.
Während des Rausches sollten keine Fahrzeuge geführt werden.
Du gefährdest dich und andere !

Den Mischkonsum mit anderen Drogen (speziell Alkohol und Schlafmittel) solltest du auf jeden Fall vermeiden. Vergiftungsgefahr!!!
Beim Sniefen ist auf den Tausch von Röhrchen zu verzichten (Infektionsgefahr mit HIV oder Hepatitis), ebenso auf das gemeinsame Nutzen von Spritzbestecken beim intravenösen Konsum.
Auch beim Gebrauch von Amphetaminen mußt du auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr und die Aufnahme von Vitaminen achten, dies kann unter Umständen Risiken herabsetzen.

 1.Hilfe:
Wenn Du siehst, daß jemand Probleme nach der Drogeneinnahme hat, dann führe den Menschen an einen geschützten Ort, bleibe bei ihm und versuche es ihm behaglich zu machen.

Gegen Muskelzittern und -krämpfe hilft die Verabreichung einer Traubenzuckerlösung.

Bei Ängsten und panischen Reaktionen hilft es, wenn Du beruhigend auf die Person einwirkst.

Bei Kreislaufproblemen sollte sich die Person hinlegen und die Beine hoch halten. Sie sollten höher liegen als der Kopf, der sich in Seitenlage befindet. Sorge für Frischluft.

Wenn jemand nach der Einnahme von Drogen kollabiert – die Augen rollen nach hinten, die Atmung geht unregelmäßig, kalter Schweiß tritt auf -, dann sorge für frische Luft und absolute Ruhe. Bringe die Person in die stabile Seitenlage und kontrolliere Atmung und Puls.

Bleibe bei der in Not geratenen Person. Wenn Du Hilfe brauchst, rufe einen Notarzt (Nummer 112) und beschreibe, was vorgefallen ist. Versuche möglicherweise Reste der Substanz für den Arzt sicherzustellen !

Geschichte:
Amphetamin wurde erstmals 1887 synthetisiert. Für medizinische Zwecke wurde es erst Anfang der dreißiger Jahre dieses Jahrhunderts als Asthmamittel (Handelsname: Benzedrin) wiederentdeckt.
Das Ausmaß der nicht-medizinischen Anwendung scheint mit den besonderen Anforderungen und Lebensbedingungen „der Menschen in ihrer Zeit“ einherzugehen, und zwar völlig unabhängig von den gesetzlichen Rahmenbedingungen. Studenten waren mal wieder die ersten – und sie benutz(t)en die leistungssteigernde Wirkung des Amphetamins, um ihrem Prüfungsstress zu begegnen. Lastwagenfahrer, Manager, Ärzte und Polizisten nehmen Speed, um der berufsbedingten pysischen und psychischen Dauerbelastung stand zu halten, Leistungssportler, um ihre Konkurrenz abzuhängen (einige zahlten dafür mit ihrem Leben durch den sogenannten Dopingtod) und Frauen bedienen sich der appetitzügelnden Wirkung der Amphetamine um dem „Schönheitsdiktat“ ihrer (Ehe)Männer zu genügen.

Während des zweiten Weltkriegs kam es zu einem beispiellosen Anstieg des Amphetamin-Konsums. Vor allem in den amerikanischen, japanischen und deutschen Streitkräften wurden Amphetamine in großen Mengen an die Soldaten verteilt, um deren Leistungsfähigkeit zu steigern und die Moral der Truppen zu stärken. Auch der sich anschließende Wiederaufbau wurde durch Amphetamine „beschleunigt“. Seitdem läuft die Mittelstandsdroge Speed in vielen Lebensbereichen der unterschiedlichsten Anwendergruppen unauffällig mit.
Eine besonders starke Verbreitung in der „Normalbevölkerung“ finden heute der Konsum von Amphetaminen in der Arbeits- und Leistungsgesellschaft Japans.

In der experimentierfreudigen Technoszene werden Amphetamine vor allem zum nächtelangen Durchraven eingesetzt und die „Hochleistungspartys“ der Gabba-Szene wären ohne Speed sicherlich nicht das, was sie nun mal sind. Speed kommt aber auch am Montagmorgen zur Anwendung, wenn man nach durchgefeierten Wochenenden wieder fit für den Arbeits- und Schulalltag seien möchte.

1938 wurde das Pervitin (Metamphetamin) von den Temmler- Werken auf den deutschen Markt gebracht. Schon 1941 wurde es dem damals gültigen Betäubungsmittelgesetz unterstellt. Die Substanz wurde beispielsweise auf Langstreckenflügen von Bomberpiloten eingenommen.

Diese Informationen sind keine Anleitung oder Motivierung zum Drogenkonsum!