Potsdam: Rahmenkonzept zur Suchtprävention und Suchtbehandlung vorgestellt

Am 29. November 2013 stellte die Beigeordnete für Soziales, Jugend, Gesundheit und Ordnung Elona Müller-Preinesberger gemeinsam mit der zuständigen Fachbereichsleiterin Soziales und Gesundheit Anke Latacz-Blume das neue Suchtkonzept der Landeshauptstadt Potsdam vor. Das Rahmenkonzept wird in der StVV am 4. Dezember 2013 in einer Mitteilungsvorlage den Stadtverordneten präsentiert.

Das letzte, 2004 der Stadtverordnetenversammlung Potsdam vorgelegte Suchtkonzept der Fachverwaltung spiegelt den Erkenntnisstand von 2002 wider. Nach 10 Jahren war es deshalb notwendig, neuere Erkenntnisse aus Praxis und Wissenschaft zu berücksichtigen und in eine Fortschreibung des Konzeptes einfließen zu lassen.

Dafür wurde Herr Prof. Dr. Stöver, Direktor des Instituts für Suchtforschung an der Fachhochschule Frankfurt am Main, gewonnen, um zusammen mit den Fachleuten in Potsdam ein modernes Konzept für die nächsten Jahre zu entwickeln.
Voraussetzung für die Konzepterstellung war ein intensives und sehr breites Beteiligungsverfahren, u.a. mit den Facharbeitskreisen, den Maßnahmeträgern, den Netzwerken der Landeshauptstadt Potsdam, Selbsthilfegruppen, lokalen Bündnissen, Krankenkassen, dem „Klinikum Ernst von Bergmann”, dem Stadtsportbund und dem Gesundheit Berlin Brandenburg e.V..

So wurde am 08.08.2012 sowie am 14.08.2012 die Thematik in den Facharbeitskreisen „Arbeitskreis Sucht Erwachsene” und der „Arbeitsgemeinschaft Suchtprävention für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene Potsdam” diskutiert und über 25 Einzelinterviews mit Potsdamer Expertinnen und Experten geführt. Im Oktober 2012 präsentierte Herr Prof. Dr. Stöver erste Ergebnisse bei einem gemeinsamen Werkstattgespräch von Arbeitskreisen, Netzwerken und Sozialraumakteuren. Auch zum Gesundheits- und Sozialgipfel am 29.11. 2013 war das Suchtkonzept Hauptthema und konnte in öffentlichen Workshops besprochen und ergänzt werden.

Im Zuge weiterer Diskussionen innerhalb der Verwaltung und mit Vertretern der Facharbeitskreise unter Beteiligung von Herrn Prof. Dr. Stöver wurde eine Bestandsaufnahme der Ergebnisse des Konzeptes von 2004 vorgenommen sowie kurz- mittel- und langfristige Ziele und Maßnahmen formuliert.

Das nunmehr vorliegende Konzept ergänzt das vorherige vor allem auch um neue, dem demografischen Wandel geschuldete Herausforderungen und schärft den Perspektivwechsel in Richtung Prävention. Es benennt die Instrumente, die eine erfolgreiche Suchtkrankenhilfe flankieren sollten.

In Zukunft wird es darauf ankommen, die bestehenden Strukturen noch besser zu vernetzen. Es geht in erster Linie nicht um eine Ausweitung fachlicher „Budgets” sondern um eine durchdachte Verzahnung und Verschränkung von verfügbaren Mitteln.

Übergreifenden Herausforderungen bestehen insbesondere in:

  • der Lokalen Alkohol- und Tabakprävention
  • den Hilfen für MigrantInnen
  • dem Ausbau des Überleitungsmanagements
  • der Einbeziehung von Krankenkassen und Schlüsselinstitutionen,
    Schaffung neuer Bündnisse, Gewinnung der Zivilgesellschaft
  • der Kooperation von Jugend-, Suchthilfe und Schulbereich
  • Kontinuitätsmodus und Kommunikation
  • Vernetzender Fachkoordination
  • einem Sektoren und Lebenslagen verbindendem Steuerungskreis
  • der Aus- Weiter und Fortbildung
  • einem Qualitätsrahmen für die Suchtarbeit
  • Fortbildungen zum Jugendschutzgesetz

Um diese Ziele zu konkretisieren, werden im Frühjahr 2014 Aktionspläne erarbeitet
Grundlage für diese Aktionspläne werden u.a. die Ergebnisse der dritten Befragung „Brandenburgischer Jugendlicher zum Substanzkonsum” (Schuljahr 2012/2013) sein. Die Ergebnisse beschreiben einen Ist-Zustand des Substanzkonsums bzw. des Suchtverhaltens von Zehntklässlern.

Regelmäßiger bzw. täglicher Alkohol-, Tabak- und Haschischkonsum sind in den vergangenen acht Jahren bei Brandenburger Zehntklässlern seltener geworden – das ist eine positive Bilanz.

Der Tabakkonsum der Potsdamer Schülerinnen und Schüler hat sich innerhalb der letzten zehn Jahre um fast die Hälfte reduziert.

Ein deutlicher Rückgang im Alkoholkonsum ist bei den Potsdamer Schülerinnen und Schülern ebenfalls zu verzeichnen. Insbesondere die Anzahl der Jungen und Mädchen, die sich noch nie an dem sogenannten Rauschtrinken beteiligt haben, stieg im direkten Vergleich zur ersten Befragung von rund 37% auf 50% an.

Im Rahmen der zweiten Befragung (BJS II Schuljahr 2008/2009)) wurden erstmals die Spielgewohnheiten der Jugendlichen und die Nutzung des Internets erfragt. Mit der dritten Befragung (BJS III) stehen nun Vergleichswerte zur Verfügung. Insbesondere Onlinespiele und soziale Netzwerke werden durch die Potsdamer Schülerinnen und Schüler immer häufiger genutzt.

Resümierend ist festzustellen, dass die beschriebenen Trends bei den Potsdamer Zehntklässlern mit den Trends der Schülerinnen und Schüler im gesamten Land Brandenburg übereinstimmen.

Der Erfolg der kontinuierlichen und nachhaltigen Suchtpräventionsmaßnahmen kann an den jüngsten erfreulichen Entwicklungen gemessen werden.

Quelle: Landeshauptstadt Potsdam, Pressemitteilung Nummer 784 / 29.11.2013

Stadt legt neue Suchtzahlen für junge Potsdamer vor

Abstinente Zocker
Sie trinken wenig Alkohol und rauchen selten – die Stadt legt neue Suchtzahlen für junge Potsdamer vor.
Ein neues Problem: Computerspielsucht

PNN, 30.11.2013
von Henri Kramer

Junge Potsdamer rauchen heute deutlich seltener und trinken weniger Alkohol, als das vor acht Jahren bei ihren Altersgenossen noch der Fall war. Dafür nehmen speziell Mädchen häufiger Medikamente, die die Stimmung beeinflussen – etwa Schlaf- oder Beruhigungsmittel. Ein neues Problem ist die Computerspielsucht. Das geht aus einer Umfrage hervor, die die Stadtverwaltung am Freitag veröffentlichte. Anlass: Die Sozialbehörde hat ein neues Konzept zur Suchtprävention und -behandlung für Potsdam vorgelegt.

Die Zahlen – die dem allgemeinem Trend in Brandenburg entsprechen – sind überwiegend positiv. Doch es gibt Ausnahmen. So nehmen knapp drei Prozent der Potsdamer Mädchen täglich Medikamente, die eigentlich nicht nötig sind. Dieser Anteil lag 2005 noch bei 1,3 Prozent, damals wurde die Erhebung erstmals durchgeführt. Bei den Jungen greifen aktuell 1,6 Prozent täglich in die Pillenkiste. Leicht gestiegen ist auch der Haschischkonsum, speziell bei Jungen – 7,6 Prozent von ihnen kiffen wöchentlich oder täglich. Vor acht Jahren waren es 5,8 Prozent.

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Cannabiskonsum an Potsdamer Schulen

Unser Statement zum Cannabiskonsum an Schulen:

In unserer Arbeit verurteilen wir keinen Konsum, sondern setzen am individuellen und situativen Risiko an, das sich mit dem Konsum verbindet. Cannabiskonsum kann für die Schülerinnen und Schüler unproblematisch sein, wenn er kontrolliert und regelgeleitet ist, risikoarm gestaltet wird und von Lern- und Risikosituationen getrennt erfolgt. Wir trennen ausdrücklich Konsum von Dealen, das auf Grund der Strafbewehrung und daher sozialen Folgen für alle Betroffenen immer problematisch ist.

Cannabis ist allgemein leicht verfügbar, die Vorstellung, dass Schüler_innen auf Grund von Kontrollmaßnahmen nicht mit Cannabis in Berührung kommen, daher offensichtlich unrealistisch. Aus diesem Grund setzen wir auf die Förderung der Kritik- und Entscheidungsfähigkeit von Jugendlichen, mit dem Ziel, dass sie lernen, ganz allgemein risikoarm zu konsumieren.

Rüdiger Schmolke, Geschäftsführung Chill out e.V.  

Kiffen zählt als Doping
Nach den Drogenvorwürfen an der Eliteschule des Sports hat der Bildungsausschuss kontrovers über den Fall diskutiert. Über die erteilten Schulverweise werde im Einzelfall entschieden, sagt der Schulrat

PNN, 29.11.2012
von Henri Kramer

Die fünf Sportschüler, die im Zusammenhang mit Drogenvorwürfen von der Potsdamer Sportschule verwiesen werden sollen, bekommen vielleicht doch noch eine zweite Chance. Der zuständige Schulrat Eckhard Dörnbrack sagte am Dienstagabend im Bildungsausschuss, die Fälle sollen vom Schulamt in Brandenburg/Havel individuell bewertet werden. „Für einmal Kiffen wird niemand von der Schule fliegen“, so Dörnbrack. In die Verfahren seien Rechtsanwälte einbezogen. Es müsse unterschieden werden, ob die Schüler nur Konsumenten seien oder tatsächlich mit Drogen gehandelt hätten, hieß es weiter.

Wie berichtet hatte die Lehrerkonferenz der Elite-Schule des Sports am Luftschiffhafen Mitte November entschieden, die Schüler nach den Drogenvorwürfen an andere Schulen zu verweisen. Die minderjährigen Sportschüler waren Ende Oktober nahe der Schule beim Kiffen erwischt worden. Das Haschisch sollen sie von älteren Mitschülern erhalten haben.

Der Fall war vor Dörnbracks Erklärung im Bildungsausschuss kontrovers debattiert worden. Schulleiter Rüdiger Ziemer erklärte die Entscheidung für den Verweis unter anderem damit, dass an der Sportschule besondere Bestimmungen im Kampf gegen Doping gelten. Auch Cannabis stehe auf einer Verbotsliste mit leistungssteigernden Mitteln. Die Nationale Anti-Doping Agentur (Nada) kontrolliere bei den Schülern, ob Doping-Substanzen eingenommen würden. „Bisher gab es niemals einen positiven Test.“ Würde sich das ändern, wäre das eine „absolute Katastrophe“, gerade für den Ruf der Schule. Absolventen der Schule hatten zuletzt bei den Olympischen Spielen in London drei Gold- und eine Silbermedaille erkämpft.

Ziemer kritisierte die Aufarbeitung des Falls in einigen Medien. So habe eine Zeitung ein Foto von ihm und darüber einen brennenden Joint gedruckt, sagte der Schulleiter verärgert. „Mit so einer Art Journalismus“ sei ein erfolgreiches Schulsystem konfrontiert, bei dem seit mehr als 20 Jahren präventiv gegen Drogen gearbeitet werde. Doch bei 120 neuen Schülern pro Jahr, „normalen Kindern und Jugendlichen“, könnten Vorfälle wie der aktuelle nicht ausgeschlossen werden, so Ziemer.

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Höher, schneller, breiter
Sportschüler beim Haschischhandel und -konsum erwischt / Geschäftsführer droht mit Massendrogentests

MAZ, 07.11.2012

Potsdam – Und das auch noch kurz vor dem Tag der offenen Tür am Sonnabend: Die Eliteschule des Sports „Friedrich Ludwig Jahn“ im Luftschiffhafen kommt nicht aus den Schlagzeilen: Nach dem Missbrauchs-Skandal im letzten Jahr und Ärger um vier rechte Hooligans im Juni muss sich Schulleiter Rüdiger Ziemer nun mit einem Drogenproblem herumschlagen. Ein Mitarbeiter des angeschlossenen Internats erwischte kürzlich fünf Neuntklässler am Ufer des Templiner Sees, unweit des Sportgeländes, beim Haschisch-Konsum.

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Massendrogentest abgelehnt
Nach Haschisch-Vorfällen an Elitesportschule in Potsdam loben Stadt und Ministerium die „gute und schnelle“ Reaktion

MAZ, 08.11.2012
Von Jan Bosschaart

POTSDAM – Nach dem Bekanntwerden von Haschischkonsum und Drogenhandel unter Schülern der Elitesportschule „Friedrich Ludwig Jahn“ im Luftschiffhafen lehnen sowohl das Bildungsministerium als auch das Schulamt und die Stadt einen als „letztes Mittel“ angedrohten Drogentest an allen 600 Sportschülern ab. „Das wäre kein adäquates Mittel, sondern sehr problematisch“, sagte Stefan Breiding, Sprecher des Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport. Ein solcher Massentest enthielte „eine pauschale Unterstellung“ und wäre ein massiver Eingriff in Persönlichkeitsrechte. Auch die Stadt vermerkte kurz und bündig, das lehne sie ab. Ronny Besançon vom Kreisvorstand der Linken erinnerte daran, dass zunächst die Unschuldsvermutung gelte. Schon die Androhung sei „ein verfassungsrechtlicher Skandal“.

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Stadt will Dealern an den Kragen

PNN, 08.11.2012
von Tobias Reichelt

An Potsdams Schulen wird gekifft und mit Drogen gehandelt, jetzt fordert das Rathaus durchzugreifen

Die Stadtverwaltung hat alle Schulleiter in Potsdam aufgefordert, konsequent gegen Drogenhändler an ihren Einrichtungen vorzugehen. „Wir werden nicht dulden, dass an den Schulen gedealt wird“, sagte Stadtsprecher Jan Brunzlow am Mittwoch. Schüler, die Marihuana, Ecstasy oder noch härtere Rauschmittel an minderjährige oder erwachsene Mitschüler verkaufen, müssten Sanktionen erfahren. Das Hausrecht an allen Gymnasien, Gesamt-, Ober- oder Sportschulen in Potsdam sei streng geregelt, sagte Brunzlow. Wenn Prävention und Beratung nicht wirkten, drohe der Rausschmiss. Auf jeden Fall werde Strafanzeige gestellt. … „Wir wissen, dass es an allen weiterführenden Schulen in Potsdam Schüler gibt, die illegale Drogen konsumieren oder verkaufen“, sagte Renate Michael, Leiterin der Abteilung Prävention bei der Polizei, gegenüber den PNN. Wenn die Schüler die Drogen nicht bei ihresgleichen in der Schule kaufen, dann schlagen sie beim Händler nebenan zu. Es sei in Potsdam nicht ungewöhnlich, dass Dealer eine Wohnung in der Nähe von Schulen besitzen. „In der großen Pause verlassen die Schüler das Schulgelände, um sich nebenan eine Portion zu holen“, so Michael. Das Dunkelfeld sei riesig. Von Schule zu Schule sei das Problem mal größer, mal kleiner. Zum Teil handele es sich nur um einzelne Schüler, in anderen Fällen seien es ganze Gruppen. „Haschisch ist die gängigste Droge für Jugendliche.“ Seltener würden auch härtere Sachen wie die Partydroge Ecstasy von Schülern konsumiert.

Der Leiter der Potsdamer Sportschule, Rüdiger Ziemer, kündigte einen offenen und konsequenten Umgang mit seinen betroffenen Schülern an. … Einen generellen Drogentest für alle Schüler der Sportschule schließt Ziemer nach den Vorfällen allerdings aus. Das sei rechtlich nicht möglich. Andreas Klemund, Geschäftsführer der Luftschiffhafen GmbH, hatte das gefordert. Jugenddezernentin Elona Müller-Preinesberger (parteilos) kündigte an, das Problem mit dem Staatlichen Schulamt, der Polizei, dem Schulverwaltungs- und dem Jugendamt zu beraten. Zugleich warnte sie Schulleiter und Lehrer davor, Drogenkonsum unter den Teppich zu kehren. „Wer die Augen verschließt, macht sich zum Mittäter“, sagte sie den PNN.

Neben der Polizei ist auch der Verein „Chill Out“ in Potsdam bei der Drogenberatung für Schüler, Lehrer und Eltern aktiv. Allein der Fakt, dass an allen Potsdamer Schulen gekifft und gedealt werde, sei noch nicht dramatisch, sagte Vereinschef Rüdiger Schmolke. Unproblematisch sei die Situation aber auch nicht. Einige Schulen würden die Situation verharmlosen. Ein Drittel aller Potsdamer Schüler sammle früher oder später Erfahrungen mit Haschisch, so Schmolke.

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ATLAS: Deal

PNN, 08.11.2012
von Tobias Reichelt

Nirgends scheint man in Potsdam so leicht an Drogen zu gelangen wie an den weiterführenden Schulen der Stadt. Die Mitschüler selbst sind es oft, die Haschisch, Marihuana oder Ecstasy auf dem Schulhof verteilen. Und wem die Auswahl dort nicht reicht, der wird beim Dealer um die Ecke fündig. Es wird Zeit, dass die Potsdamer Politik das Problem ernst nimmt.

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Drogenfälle nehmen zu
Elternrat und Kreisschulbeirat in Potsdam sind besorgt / Polizei und Suchtberater sagen: Keine Schule ist drogenfrei

MAZ, 09.11.2012
Von Jan Bosschaart

Potsdam – Eine Häufung von Drogenfunden an Schulen beschäftigt den Potsdamer Kreiselternrat. Einen Tag vor dem Bekanntwerden von Haschischhandel und -konsum an der Elite-Sportschule traf das Gremium deshalb zu einer Sitzung zusammen. „Die Eltern haben den Wunsch, dass mehr für Prävention getan wird und Drogenfälle an Schulen stärker verfolgt werden“, sagte Daniela Trapkowski, die Vorsitzende des Gremiums. Das Problem sei, dass sich viele Lehrer machtlos fühlten. „Sie sagen: Die Schüler stellen sich offen auf dem Schulhof hin und kiffen, und wir können nichts tun“, so Trapkowski. Auch würden viele Schulleiter nicht offensiv mit dem Problem umgehen, weil sie um den Ruf der Schule fürchten. …

Zu mehr Gelassenheit in der Debatte riet Rüdiger Schmolke, Leiter der Suchtberatungsstelle „Chill out“: „Dass Jugendliche heute Cannabis probieren, ist selbstverständlich geworden und fast flächendeckend.“ Allerdings kiffe nur eine Minderheit regelmäßig. Alkoholkonsum aber sei ein größeres Problem: „Für viele Jugendliche ist Kiffen ein Übergangsphänomen, es ist aussichtslos, das eindämmen zu wollen“.

Der Handel und Konsum an Schulen bleibe aber ein „No Go“, räumte der Suchtberater ein. Statt drakonischer Strafen plädierte er für Aufklärung, Reflektion und verantwortungsvollen Konsum. Dennoch ist der Experte überzeugt, dass keine Schule behaupten könne, drogenfrei zu sein. Weniger als ein Prozent der Potsdamer Schüler konsumiert anonymen Befragungen zufolge täglich Haschisch, weniger als drei Prozent wöchentlich – selbst wenn die Dunkelziffer zirka dreimal so hoch liege, sei das „nicht besorgniserregend“, so Schmolke. Ein Drittel habe die Droge einmal probiert.

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KIFFEN: Unter Henkel wird das Dope leichter

Der THC-Gehalt in Gras und Hasch ist zuletzt etwas gesunken, hat der Innensenator festgestellt. Nichtsdestotrotz denken CDU-Vertreter im Senat weiter über eine Verschärfung der Rechtslage nach.

taz, 01.10.2012
von Sebastian Puschner

„Das Gras wird immer stärker“, ist eine der hartnäckigsten Kifferlegenden. Sie wurde nun widerlegt – durch die Senatsverwaltung für Inneres unter CDU-Chef Frank Henkel. Dessen Antwort auf eine Kleine Anfrage der Piraten im Abgeordnetenhaus zeigt: Der Wirkstoffgehalt in von der Polizei beschlagnahmten Cannabisprodukten hat sich in den vergangenen Jahren kaum verändert; zuletzt war der sogar leicht rückläufig. „Das Märchen vom immer härteren Gras bemühen all jene, die eine stärkere Verfolgung der Konsumenten wollen“, sagte der Sprecher für Sucht- und Drogenpolitik der Piraten-Fraktion, Simon Kowalewski, der taz. […]

Die Entwicklung des für die Rauschwirkung entscheidenden THC-Gehalts in beschlagnahmten Berliner Cannabisprodukten bietet indes keinen Anlass, härter gegen Kiffer vorzugehen. Knapp unter 10 Prozent lag der THC-Anteil bei Haschisch in den vergangenen sieben Jahren, 2011 ging er gar auf 8,15 Prozent zurück. Bei Cannabisblüten variierte der Wirkstoffgehalt kaum, er lag seit 2003 stets zwischen 11 und 13 Prozent. Das beschlagnahmte Cannabiskraut enthielt 2011 im Durchschnitt sogar nur knapp 3 Prozent THC.

Außerdem zeigen die vom Senat vorgelegten Zahlen, dass die Berliner Polizei ihre Cannabis-Beute seit Anfang der 90er Jahre kräftig erhöht hat: Beschlagnahmten die Beamten 1994 4 Kilogramm Marihuana und 85 Kilo Haschisch, waren es 2011 schon 280 und 96 Kilo. Besonders erfolgreich sind die Drogenfahnder in diesem Jahr: Bis Ende Juni kassierten sie bereits 260 Kilo Gras und 170 Kilo Hasch.

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Cannabis

 Szenenamen:

Bendsch, Bon, Bhang, Brown, Dope, Gage, Ganja, Gras, Grünes, Hasch, Haschisch, Kiff, Kraut, Marihuana, Mary Jane, Marijuana, Mary Warner, Muggles, Piece, Pot, Riefer, Shit, Stoff, Tea, Weed

 Substanz:

Cannabis wird vorrangig als Haschisch (Shit, Dope, Piece), d.h. als gepresstes, mitunter gestrecktes Harz der Hanfpflanze, oder als Marihuana (Gras), d.h. in Form der getrockneten weiblichen Blüten konsumiert.

Der Gebrauch von Haschisch-Öl (ein Extrakt aus dem Harz ) ist in Europa weniger verbreitet. Der Hauptwirkstoff ist psychoaktives THC (Tetrahydrocannabinol). Der THC-Gehalt ist am höchsten im Haschisch-Öl. Haschisch ist in der Regel potenter als Marihuana. Cannabis wird am häufigsten geraucht (“kiffen”), meist in Form eines Joints im Gemisch mit Tabak. Üblich sind auch diverse andere Rauchtechniken mit verschiedensten Geräten (Bong, Chillum, Eimer, Pfeifen, Erdloch) bei denen die Wirkung durch tiefere Inhallation und konzentrierteren Rauch oft sehr schnell und stark einsetzt. Außerdem ist das Trinken bzw. Essen von Haschisch (in Milch oder Tee, Joghurt, Keksen, Kuchen usw.) anzutreffen.

 Wirkung:

Es kommt zum Auftreten von Mundtrockenheit, “roten Augen”, einer Blutdrucksteigerung, leicht herab gesetzter Körpertemperatur und einer Absenkung des Blutzuckerspiegels (gesteigerter Appetit ). Gelegentlich können Schwindelgefühle, Übelkeit und Erbrechen auftreten. Die Wirkung von Cannabis ist stark dosisabhängig, setzt kurz nach dem Inhallieren ein und dauert ca. 4 Stunden. Von einer milden Beruhigung mit gehobener Stimmung bis hin zu Verwirrungszuständen sind unterschiedlichste Rauscherlebnisse beschrieben worden. Häufig kommt es zu akustischen und optischen Wahrnehmungsänderungen. So wird die emotionale Wirkung von Musik verstärkt, die Farbwahrnehmung und räumliche Eindrücke sind intensiviert, häufig verbunden mit einer gesteigerten Licht-empfindlichkeit.
Unter Cannabis nimmt deine Reaktionszeit deutlich zu, die Orientierung kann durch räumliche Verzerrung erschwert sein. Es kommt zu mangelnder Konzentrationsfähigkeit, mit Beeinträchtigung des Kurzzeitgedächtnisses und Verschiebung des Zeitgefühles. Nach hoher Cannabis-Dosis läßt deine Fähigkeit zur Lösung komplexer motorischer u. geistiger Aufgaben nach. Du bist ganz einfach breit. Die Sprache ist verwaschen, du hast Schwierigkeiten dich auszudrücken, deine Aufmerksamkeit schweift ab. Du vergißt, was du gerade sagen wolltest oder Gespräche weichen auf Nebenaspekte aus, weil der Denkfaden gerissen ist. Neue Ideen u. Assoziationen drängen ins Bewußtsein und lenken vom Kern des eigentlichen Gespräches ab.
Dein Körper fühlt sich leicht und schwebend an. Im Cannabisrausch werden bereits vorhandene Gemütszustände verstärkt. Über das Auftreten unterschiedlicher Temperaturempfindungen wird häufig berichtet, allerdings geht dies kaum mit objektiv nachweisbaren Veränderungen einher. Außerdem kommt es zu einer Intensivierung der Geschmackswahrnehmung, oft gekoppelt mit gesteigertem Appetit, vor allem auf Süßigkeiten (Fress-Flash). Die häufig auftretende, oft unbegründete Heiterkeit (Lach-Flash), Ausgelassenheit und Albernheit mündet manchmal in Müdigkeit und Schlafbedürfnis beim Abklingen der Wirkung.

 Gefahren:

Cannabis kann dich psychisch abhängig machen. Ähnlich wie beim Zigarettenrauchen hast du ständig das Gefühl, “da war doch noch was”. Unter Cannabiskonsum ist deine Verkehrstüchtigkeit stark herabgesetzt bzw. nicht mehr gegeben. Vereinzelt kann es bei psychisch labilen Personen zum Auftreten akut psychotischer Reaktionen kommen. Bei Überdosierung können Herzrasen, starke Halluzinationen und Angstzustände auftreten.
Häufiger Cannabiskonsum führt natürlich auch zu einem erhöhten Lungenkrebsrisiko, die Ausbildung einer chronischen Bronchitis ist möglich. Cannabiskonsum kann latente (verborgene) Psychosen aktivieren, wobei davon ausgegangen werden muß, dass diese bei entsprechender Anlage mehrere Jahre früher auftreten, als im Normalfall (Katalysator). Nicht belegt ist, dass sogenannte amotivationale Syndrom, da bei Cannabiskonsumenten weder geringere Leistungsfähigkeit noch schlechtere akademische Leistungen (im Vergleich zu Nichtkonsumenten) nachgewiesen werden konnten (Kleiber-Studie).

 Safer use:

Zu extremen Kreislaufbelastungen kann die gleichzeitige Einnahme von Speed und Haschisch führen.
Beim gleichzeitigem Konsum von Cannabis und Alkohol kann es unter Umständen zur Verstärkung negativer Symptome (Übelkeit, Erbrechen) kommen.
Vermeide besser Mischkonsum!
Space Cakes (Haschkekse) essen ist riskant, da die Dosis schwer abzuschätzen ist und die Wirkung spät, oft plötzlich einsetzt.
Auch ist zu beachten, dass psychisch kranke Menschen, Personen mit Herz-Kreislauf-Problemen und Krampfleidende keine Cannabisprodukte konsumieren sollten.
Unter Cannabiseinfluß solltest du auf die Teilnahme am Straßenverkehr in jeglicher Form verzichten.
Beim Rauchen aus einer Wasserpfeife (Bong) gelangt der Rauch weniger heiß in die Lunge, was zu geringeren Schädigungen der Lungenbläschen führt. Durch die höhere Verbrennungstemperatur finden sich im Rauch aber sogar höhere Konzenrationen schädlicher Verbrennungsrückstände wie Kohlenstoffmonoxid.
Beim Einsatz von Vaporisatoren (in denen Cannabis nicht verbrannt, sondern durch elektrisch erzeugte Hitze verdampft wird) wird der Teergehalt erheblich reduziert, die Lunge leidet so weniger. In einer Studie wurde allerdings nachgewiesen, dass der Rauch aus Vaporisatoren erheblich höhere Dosen Ammoniak als ein Joint enthält. Ammoniak wirkt nervenschädigend und kann Leberschäden nach sich ziehen (s. Artikel auf drugcom.de).

 1.Hilfe:

Bringe die betreffende Person in einen ruhigen Raum mit frischer Luft (chill out). Hinsetzen und Füße hochlagern. Die Zufuhr von Vitaminen in Form von Obst oder Getränken bringt meist etwas runter.
Wichtig ist es, bei der Person zu bleiben, mit ihr zu reden und sie zu beruhigen (talk down).

Geschichte:

 

10000 v.Chr. Hanfanbau in China zur Textilherstellung, als Nahrungsmittel und als Medizin.
8000 v.Chr. Auf dem Gebiet der heutigen Türkei wird Hanf zu Gewebe verarbeitet (Catal Hüyük).
5500 v.Chr. Frühester Fund von Cannabissamen auf dem Gebiet des heutigen Deutschland (Eisenberg/Rüringen).
3700 v.Chr. Erste schriftliche Erwähnung des Hanfs in Pen Tsao, einem chinesischen Arzneibuch
484 v.Chr. Herodot berichtet vom Hanf (gebrauch der Skythen und den Hanfkleidern der Thrakier
200: Galen ein griechischer Arzt berichtet von dem (weitverbreiteten) Brauch der Ägypter, cannabishaltige Gebäcke zu verspeisen (…welche Ausgelassenheit und Vergnügen hervorriefen).
550: Die Kleidung der im Jahre 565 in Paris begrabenen Merowinger- Königin Adelgund bestand bereits aus voll aufgearbeitetem Hanfgewebe.
800: Karl der Große ordnet per Gesetz (Kapitulare) den Hanfanbau an.
1150: Hildegard von Bingen erforscht und beschreibt in ihren medizinischen Werken u.a. die Heilpflanze Hanf.
12.Jh.: Auftreten der Hashishin (Krautesser) einer fanatischen muslimischen Sekte, in Persien unter Führung des “Alten vom Berg”.
1455: Gutenberg stellt seine auf Hanfpapier gedruckte Bibel fertig.
1550: Francois Rabelais, französischer Schriftsteller und Arzt, beschreibt die botanischen und psychoaktiven Qualitäten des Cannabis (3. Buch des Pantagruel).
1765: G. Washington. erster Präsident der USA, baut ebenfalls Hanf an. In seinem Tagebuch notiert er:
“…Trennen der weiblichen Pflanzen von den männlichen…”
1839: William O´Shaugnessy, Prof. für Chemie und Naturphilosophie (Calcutta), erforscht den medizinischen Aspekt der Pflanze und stellt eine Cannabistinktur her. Damit führt er Cannabis in die westliche Medizin ein.
1858: Fitz Hugh Ludlow’s “The Hasheesh Eater”, ein Klassiker der Drogenliteratur, erscheint.
1885: 3,5 t Ganja (Marihuana), 12 t Bhang (marihuanahaltiges Getränk) und 300 t Charas (Haschisch) werden allein im September nur im Hamburger Hafen gelöscht.
1910: Die letzten hanfhaltigen Zigaretten verschwinden vom deutschen Markt. Grund: Die Mode des “Leichtrauchens” bürgert sich ein.
1912: Hanf erscheint eher zufällig auf der Verbotsliste der 1. Internationalen Opiumkonferenz.
1924: Die 2. Internationale Qpiumkonferenz erläßt ein weltweites Gesetz zur Drogenkontrolle. Hanf befindet sich auf Drängen von Südafrika (das weiße Burenregime hatte Schwierigkeiten mit seiner aufsässigen kiffenden schwarzen Bevölkerung) mit auf der Verbotsliste.
1933: Indischer Hanf wird im deutschen Opiumgesetz ausdrücklich als verboten spezifiziert.
1937: In den USA tritt der “Marijuana Tax Act” in Kraft.
ab 1939: Der Hanfanbau (zur Fasergewinnung) wird weltweit (in Folge des Krieges und der abgeschnittenen Importrouten für überseeische Faserpflanzen) forciert („Hemp For Victory“).
1941: Cannabis wird aus der Pharmacopeia (Medikamentenliste) gestrichen. Die (deutschen) Pharmariesen Bayer und IG Farben hatten sich ihre Erfindungen Heroin, Kokain und Methadon als neue Wundermedizinen patentieren lassen.
1945: Nach dem Krieg geht der Hanfanbau in der westlichen Welt wieder bis zur Bedeutungslosigkeit zurück. Fasern aus Übersee sowie die noch billigeren synthetischen Fasern der petrochemischen Industrie sind ausreichend vorhanden.
1962: Anfang der Hippie- Bewegung. Zunächst in den USA, später in Großbritannien (Swinging London) und den anderen westeuropäischen Staaten.
1964: Die Beatles veröffentlichen eine ganzseitige Anzeige in der TIMES, in der sie eine Cannabisfreigabe befürworten.
1972: Erste Coffeeshops in Amsterdam.
1980: Erste internationale Cannabiskonferenz in Amsterdam mit Teilnehmern aus Jamaica, USA, Holland, BRD, Italien, Frankreich und anderen Ländern.
1994: Urteil des Bundesverfassungsgerichts, mit dem Tenor, daß künftig kleine Mengen und gelegentlicher Konsum von Cannabisprodukten straffrei bleiben sollen.
Keine Einigung der Innenminister der Länder über “geringe Menge”.

Diese Informationen sind keine Anleitung oder Motivierung zum Drogenkonsum!