Anhörung zu Methamphetamin, Cannabis und Legal Highs im Deutschen Bundestag

Zum drogenpolitischen im Umgang mit Methamphetamin (Crystal), Cannabis und sogenannten Legal Highs fand am 17. April eine Anhörung im Gesundheitsausschuss des  Deutschen Bundestags statt.

Informationen finden sich unter anderem auf bundestag.de

Die Stellungnahmen zur Anhörung finden sich hier.

Hitler-Speed und Räuchermischung
SPD-Antrag zur Drogenprävention empört Experten

Neues Deutschland, 18.04.2013
Von Fabian Lambeck

Hoch her ging es am Mittwoch während einer Bundestagsanhörung zur Drogenpolitik. Ein Experte war extra angereist, um sich über den Missbrauch seiner Studie durch die SPD zu beschweren. Zudem beklatschten Zuschauer die Äußerungen eines US-amerikanischen Drogenfachmanns.

»Das Gegenteil von gut ist nicht böse, sondern gut gemeint«, sagte Kurt Tucholsky einmal. Die Bundestagsfraktion der SPD führte sicher nichts Böses im Schilde, als sie ihren Antrag ausarbeitete. Die Genossen wollen den Konsum von Methamphetaminen durch Prävention eindämmen und neue synthetische Drogen, sogenannte Legal Highs, europaweit effizienter bekämpfen. Dabei berief sich die Fraktion auf eine Studie des Frankfurter Drogenexperten Bernd Werse. Dieser wiederum war schwer empört, als er hörte und las, wozu seine Forschungsergebnisse benutzt werden.

Und so kam Werse auch zur gestrigen Anhörung des Gesundheitsausschusses, bei der jener SPD-Antrag von Fachleuten diskutiert wurde. Ihm war die Empörung noch anzumerken, als er sich zu Nachfragen des LINKEN-Abgeordneten Frank Tempel äußerte: »Unsere Studie zu den Legal Highs hat nichts mit Crystal Meth zu tun«, so Werse. Dazu seien beide Drogen zu verschieden. Die SPD hatte aber beide in einen Topf geworfen. Bei Legal Highs handelt es sich nicht um eine bestimmte Substanz. Vielmehr verbergen sich hinter dieser Sammelbezeichnung so grundverschiedene Dinge wie Räuchermischungen, synthetische Stoffe oder Herbal Highs, die aus Pflanzenteilen und Chemie bestehen. Auch hinsichtlich ihrer Wirkung ähneln sie sich nicht. Die einen wirken beruhigend, andere aufputschend und viele auch gar nicht. Todesfälle seien bislang nicht bekannt, so Werse in seiner Stellungnahme.

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Synthetische Drogen breiten sich in Europa aus

Synthetische Drogen breiten sich aus – über 50 neue in Europa

Berlin (dpa) – Cannabis bleibt die meistkonsumierte illegale Droge. Auf dem Vormarsch ist aber vor allem synthetischer Stoff – mehr als 50 neue Substanzen wurden in diesem Jahr in Europa entdeckt. Experten warnen vor unkontrollierbaren gesundheitlichen Risiken.

MAZ, 15.11.2012

Synthetische Drogen breiten sich in Deutschland und Europa weiter aus. 28 neue Stoffe wurden in diesem Jahr in Deutschland unter das Betäubungsmittelgesetz gestellt, europaweit mehr als 50 neue Drogen entdeckt. Das geht aus den deutschen und europäischen Jahresberichten der Beobachtungsstellen für Drogen und Drogensucht hervor. „Wichtig ist, dass Konsumenten sich bewusst machen, dass es sich um ganz gefährliche Substanzen handelt, weil man nie genau weiß, was drin ist“, sagte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans (FDP), in Berlin.

Experten warnen vor den unkontrollierbaren Risiken der Substanzen, die oft aus Asien kommen und über das Internet vertrieben werden. „Das sind häufig nicht völlig neue Substanzen, sondern das sind Stoffe, die als Forschungschemikalien entwickelt wurden, allerdings nie zum menschlichen Konsum“, sagte Roland Simon von der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht. Die langfristigen Konsequenzen des Konsums seien überhaupt nicht absehbar, betonte Tim Pfeiffer-Gerschel von der Deutschen Stelle.

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DROGENSTATISTIK DER BUNDESREGIERUNG:
Synthetische Drogen auf dem Vormarsch

PNN, 15.11.2012

Am Donnerstag ist die Drogenstatistik der Bundesregierung vorgestellt worden – und sie weist eine eindeutige Zunahme in bestimmten Bereichen aus. Gleichzeitig warnte die Drogenbeauftragte Mechthild Dyckmans ausdrücklich vor einer Verharmlosung des Kiffens – und wandte sich damit gegen Stimmen aus der eigenen Partei.

In ambulanten Einrichtungen sind im vergangenen Jahr mehr als 60.000 mal Menschen nach dem Konsum illegaler Drogen behandelt worden. Dies ist so viel wie im Jahr zuvor, jedoch ist die Zahl der Behandelten über einen längeren Zeitraum stark angestiegen, wie aus einer am Donnerstag von der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans, präsentierten Statistik hervorgeht. 2007 waren nur 40.000 Menschen behandelt worden, nachdem sie etwa Aufputschmittel, Heroin, Cannabis oder berauschende Pilze zu sich nahmen.

Vor allem Konsumenten von Aufputschmitteln („Stimulanzien“) wie Amphetamine beschäftigen die Ärzte zunehmend. So gingen 2007 weniger als sieben Prozent der Behandlungen auf diese Patienten zurück, 2011 schon mehr als zehn Prozent. Der Anteil der ambulant erstbehandelten Konsumenten von Aufputschmitteln lag bei 15 Prozent.

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Cannabiskonsum an Potsdamer Schulen

Unser Statement zum Cannabiskonsum an Schulen:

In unserer Arbeit verurteilen wir keinen Konsum, sondern setzen am individuellen und situativen Risiko an, das sich mit dem Konsum verbindet. Cannabiskonsum kann für die Schülerinnen und Schüler unproblematisch sein, wenn er kontrolliert und regelgeleitet ist, risikoarm gestaltet wird und von Lern- und Risikosituationen getrennt erfolgt. Wir trennen ausdrücklich Konsum von Dealen, das auf Grund der Strafbewehrung und daher sozialen Folgen für alle Betroffenen immer problematisch ist.

Cannabis ist allgemein leicht verfügbar, die Vorstellung, dass Schüler_innen auf Grund von Kontrollmaßnahmen nicht mit Cannabis in Berührung kommen, daher offensichtlich unrealistisch. Aus diesem Grund setzen wir auf die Förderung der Kritik- und Entscheidungsfähigkeit von Jugendlichen, mit dem Ziel, dass sie lernen, ganz allgemein risikoarm zu konsumieren.

Rüdiger Schmolke, Geschäftsführung Chill out e.V.  

Kiffen zählt als Doping
Nach den Drogenvorwürfen an der Eliteschule des Sports hat der Bildungsausschuss kontrovers über den Fall diskutiert. Über die erteilten Schulverweise werde im Einzelfall entschieden, sagt der Schulrat

PNN, 29.11.2012
von Henri Kramer

Die fünf Sportschüler, die im Zusammenhang mit Drogenvorwürfen von der Potsdamer Sportschule verwiesen werden sollen, bekommen vielleicht doch noch eine zweite Chance. Der zuständige Schulrat Eckhard Dörnbrack sagte am Dienstagabend im Bildungsausschuss, die Fälle sollen vom Schulamt in Brandenburg/Havel individuell bewertet werden. „Für einmal Kiffen wird niemand von der Schule fliegen“, so Dörnbrack. In die Verfahren seien Rechtsanwälte einbezogen. Es müsse unterschieden werden, ob die Schüler nur Konsumenten seien oder tatsächlich mit Drogen gehandelt hätten, hieß es weiter.

Wie berichtet hatte die Lehrerkonferenz der Elite-Schule des Sports am Luftschiffhafen Mitte November entschieden, die Schüler nach den Drogenvorwürfen an andere Schulen zu verweisen. Die minderjährigen Sportschüler waren Ende Oktober nahe der Schule beim Kiffen erwischt worden. Das Haschisch sollen sie von älteren Mitschülern erhalten haben.

Der Fall war vor Dörnbracks Erklärung im Bildungsausschuss kontrovers debattiert worden. Schulleiter Rüdiger Ziemer erklärte die Entscheidung für den Verweis unter anderem damit, dass an der Sportschule besondere Bestimmungen im Kampf gegen Doping gelten. Auch Cannabis stehe auf einer Verbotsliste mit leistungssteigernden Mitteln. Die Nationale Anti-Doping Agentur (Nada) kontrolliere bei den Schülern, ob Doping-Substanzen eingenommen würden. „Bisher gab es niemals einen positiven Test.“ Würde sich das ändern, wäre das eine „absolute Katastrophe“, gerade für den Ruf der Schule. Absolventen der Schule hatten zuletzt bei den Olympischen Spielen in London drei Gold- und eine Silbermedaille erkämpft.

Ziemer kritisierte die Aufarbeitung des Falls in einigen Medien. So habe eine Zeitung ein Foto von ihm und darüber einen brennenden Joint gedruckt, sagte der Schulleiter verärgert. „Mit so einer Art Journalismus“ sei ein erfolgreiches Schulsystem konfrontiert, bei dem seit mehr als 20 Jahren präventiv gegen Drogen gearbeitet werde. Doch bei 120 neuen Schülern pro Jahr, „normalen Kindern und Jugendlichen“, könnten Vorfälle wie der aktuelle nicht ausgeschlossen werden, so Ziemer.

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Höher, schneller, breiter
Sportschüler beim Haschischhandel und -konsum erwischt / Geschäftsführer droht mit Massendrogentests

MAZ, 07.11.2012

Potsdam – Und das auch noch kurz vor dem Tag der offenen Tür am Sonnabend: Die Eliteschule des Sports „Friedrich Ludwig Jahn“ im Luftschiffhafen kommt nicht aus den Schlagzeilen: Nach dem Missbrauchs-Skandal im letzten Jahr und Ärger um vier rechte Hooligans im Juni muss sich Schulleiter Rüdiger Ziemer nun mit einem Drogenproblem herumschlagen. Ein Mitarbeiter des angeschlossenen Internats erwischte kürzlich fünf Neuntklässler am Ufer des Templiner Sees, unweit des Sportgeländes, beim Haschisch-Konsum.

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Massendrogentest abgelehnt
Nach Haschisch-Vorfällen an Elitesportschule in Potsdam loben Stadt und Ministerium die „gute und schnelle“ Reaktion

MAZ, 08.11.2012
Von Jan Bosschaart

POTSDAM – Nach dem Bekanntwerden von Haschischkonsum und Drogenhandel unter Schülern der Elitesportschule „Friedrich Ludwig Jahn“ im Luftschiffhafen lehnen sowohl das Bildungsministerium als auch das Schulamt und die Stadt einen als „letztes Mittel“ angedrohten Drogentest an allen 600 Sportschülern ab. „Das wäre kein adäquates Mittel, sondern sehr problematisch“, sagte Stefan Breiding, Sprecher des Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport. Ein solcher Massentest enthielte „eine pauschale Unterstellung“ und wäre ein massiver Eingriff in Persönlichkeitsrechte. Auch die Stadt vermerkte kurz und bündig, das lehne sie ab. Ronny Besançon vom Kreisvorstand der Linken erinnerte daran, dass zunächst die Unschuldsvermutung gelte. Schon die Androhung sei „ein verfassungsrechtlicher Skandal“.

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Stadt will Dealern an den Kragen

PNN, 08.11.2012
von Tobias Reichelt

An Potsdams Schulen wird gekifft und mit Drogen gehandelt, jetzt fordert das Rathaus durchzugreifen

Die Stadtverwaltung hat alle Schulleiter in Potsdam aufgefordert, konsequent gegen Drogenhändler an ihren Einrichtungen vorzugehen. „Wir werden nicht dulden, dass an den Schulen gedealt wird“, sagte Stadtsprecher Jan Brunzlow am Mittwoch. Schüler, die Marihuana, Ecstasy oder noch härtere Rauschmittel an minderjährige oder erwachsene Mitschüler verkaufen, müssten Sanktionen erfahren. Das Hausrecht an allen Gymnasien, Gesamt-, Ober- oder Sportschulen in Potsdam sei streng geregelt, sagte Brunzlow. Wenn Prävention und Beratung nicht wirkten, drohe der Rausschmiss. Auf jeden Fall werde Strafanzeige gestellt. … „Wir wissen, dass es an allen weiterführenden Schulen in Potsdam Schüler gibt, die illegale Drogen konsumieren oder verkaufen“, sagte Renate Michael, Leiterin der Abteilung Prävention bei der Polizei, gegenüber den PNN. Wenn die Schüler die Drogen nicht bei ihresgleichen in der Schule kaufen, dann schlagen sie beim Händler nebenan zu. Es sei in Potsdam nicht ungewöhnlich, dass Dealer eine Wohnung in der Nähe von Schulen besitzen. „In der großen Pause verlassen die Schüler das Schulgelände, um sich nebenan eine Portion zu holen“, so Michael. Das Dunkelfeld sei riesig. Von Schule zu Schule sei das Problem mal größer, mal kleiner. Zum Teil handele es sich nur um einzelne Schüler, in anderen Fällen seien es ganze Gruppen. „Haschisch ist die gängigste Droge für Jugendliche.“ Seltener würden auch härtere Sachen wie die Partydroge Ecstasy von Schülern konsumiert.

Der Leiter der Potsdamer Sportschule, Rüdiger Ziemer, kündigte einen offenen und konsequenten Umgang mit seinen betroffenen Schülern an. … Einen generellen Drogentest für alle Schüler der Sportschule schließt Ziemer nach den Vorfällen allerdings aus. Das sei rechtlich nicht möglich. Andreas Klemund, Geschäftsführer der Luftschiffhafen GmbH, hatte das gefordert. Jugenddezernentin Elona Müller-Preinesberger (parteilos) kündigte an, das Problem mit dem Staatlichen Schulamt, der Polizei, dem Schulverwaltungs- und dem Jugendamt zu beraten. Zugleich warnte sie Schulleiter und Lehrer davor, Drogenkonsum unter den Teppich zu kehren. „Wer die Augen verschließt, macht sich zum Mittäter“, sagte sie den PNN.

Neben der Polizei ist auch der Verein „Chill Out“ in Potsdam bei der Drogenberatung für Schüler, Lehrer und Eltern aktiv. Allein der Fakt, dass an allen Potsdamer Schulen gekifft und gedealt werde, sei noch nicht dramatisch, sagte Vereinschef Rüdiger Schmolke. Unproblematisch sei die Situation aber auch nicht. Einige Schulen würden die Situation verharmlosen. Ein Drittel aller Potsdamer Schüler sammle früher oder später Erfahrungen mit Haschisch, so Schmolke.

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ATLAS: Deal

PNN, 08.11.2012
von Tobias Reichelt

Nirgends scheint man in Potsdam so leicht an Drogen zu gelangen wie an den weiterführenden Schulen der Stadt. Die Mitschüler selbst sind es oft, die Haschisch, Marihuana oder Ecstasy auf dem Schulhof verteilen. Und wem die Auswahl dort nicht reicht, der wird beim Dealer um die Ecke fündig. Es wird Zeit, dass die Potsdamer Politik das Problem ernst nimmt.

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Drogenfälle nehmen zu
Elternrat und Kreisschulbeirat in Potsdam sind besorgt / Polizei und Suchtberater sagen: Keine Schule ist drogenfrei

MAZ, 09.11.2012
Von Jan Bosschaart

Potsdam – Eine Häufung von Drogenfunden an Schulen beschäftigt den Potsdamer Kreiselternrat. Einen Tag vor dem Bekanntwerden von Haschischhandel und -konsum an der Elite-Sportschule traf das Gremium deshalb zu einer Sitzung zusammen. „Die Eltern haben den Wunsch, dass mehr für Prävention getan wird und Drogenfälle an Schulen stärker verfolgt werden“, sagte Daniela Trapkowski, die Vorsitzende des Gremiums. Das Problem sei, dass sich viele Lehrer machtlos fühlten. „Sie sagen: Die Schüler stellen sich offen auf dem Schulhof hin und kiffen, und wir können nichts tun“, so Trapkowski. Auch würden viele Schulleiter nicht offensiv mit dem Problem umgehen, weil sie um den Ruf der Schule fürchten. …

Zu mehr Gelassenheit in der Debatte riet Rüdiger Schmolke, Leiter der Suchtberatungsstelle „Chill out“: „Dass Jugendliche heute Cannabis probieren, ist selbstverständlich geworden und fast flächendeckend.“ Allerdings kiffe nur eine Minderheit regelmäßig. Alkoholkonsum aber sei ein größeres Problem: „Für viele Jugendliche ist Kiffen ein Übergangsphänomen, es ist aussichtslos, das eindämmen zu wollen“.

Der Handel und Konsum an Schulen bleibe aber ein „No Go“, räumte der Suchtberater ein. Statt drakonischer Strafen plädierte er für Aufklärung, Reflektion und verantwortungsvollen Konsum. Dennoch ist der Experte überzeugt, dass keine Schule behaupten könne, drogenfrei zu sein. Weniger als ein Prozent der Potsdamer Schüler konsumiert anonymen Befragungen zufolge täglich Haschisch, weniger als drei Prozent wöchentlich – selbst wenn die Dunkelziffer zirka dreimal so hoch liege, sei das „nicht besorgniserregend“, so Schmolke. Ein Drittel habe die Droge einmal probiert.

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Suchthilfe: Zu wenig Fördergeld für Prävention

Die Beratung und Betreuung von Menschen mit Alkoholproblemen bildet nach wie vor den Schwerpunkt der Awo-Suchtberatung. Glücksspielsucht und Cannabisabhängigkeit belegen Platz zwei und drei. Nach 20 Jahren, so Suchttherapeut Daniel Zeis, beobachte man aber eine Verlagerung hin zur Abhängigkeit von neuen Medien wie dem Internet. …

Zeis und Awo-Geschäftsführerin Angela Basekow wünschen sich mehr Mitarbeiter, auch für Kooperationspartner wie den Verein Chill Out e.V., der überwiegend Präventionsarbeit betreibt. Dafür gebe es immer noch zu wenig Fördergelder, so Basekow: Prävention und Aufklärung seien aber besonders wichtig.

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„Legal Highs“ risikoreicher als vermutet

„Legal Highs“ enthalten teilweise deutlich risikoreichere Substanzen, als ihre Bezeichnung und ihr Erscheinungsbild vermuten lassen.

Dies zeigte die 1. Internationale Konferenz zur „Spice“-Prävention, die am 28.09.2012 in Frankfurt/Main stattfand. Die Konferenz fand im Rahmen eines europäischen Projekts zu synthetischen Cannabinoiden statt, das von der Europäischen Kommission, dem Bundesgesundheitsministerium und dem Drogenreferat der Stadt Frankfurt am Main finanziell gefördert wird.

Bei „Legal Highs“ oder auch „Research Chemicals“ handelt es sich um Produkte mit psychoaktiver Wirkung, die in ihrer Wirkung mit herkömmlichen Drogen vergleichbar sind. Sie enthalten synthetische Substanzen, die zumeist nicht dem Betäubungsmittelgesetz unterstellt sind. Eine Besonderheit ist die stetig zunehmende Anzahl neu auftauchender psychoaktiver Substanzen und die Verbreitung dieser Drogen über Internethändler. Zudem sind viele dieser Stoffe nicht mit herkömmlichen Drogentests nachweisbar. „Legal Highs“ werden auch als „Badesalze“ oder „Räuchermischungen“ verkauft.

Einige der in „Legal Highs“ gefundenen synthetischen Cannabinoide weisen deutlich unangenehmere und stärkere akute Nebenwirkungen als Cannabis selbst auf.

Gleichzeitig muss von einem erhöhten und schwerwiegenderen Überdosierungsrisiko ausgegangen werden, auch die Gefahr einer Abhängigkeit wird als mindestens so hoch wie bei der natürlichen Droge Cannabis eingeschätzt.

Analyseergebnisse von Legal-High-Proben finden sich im Internet unter

http://www.legal-high-inhaltsstoffe.de

Mehr Infos und Vorträge der Konferenz (leider nur Englisch):

http://www.uniklinik-freiburg.de/rechtsmedizin/live/SpiceConference.html

KIFFEN: Unter Henkel wird das Dope leichter

Der THC-Gehalt in Gras und Hasch ist zuletzt etwas gesunken, hat der Innensenator festgestellt. Nichtsdestotrotz denken CDU-Vertreter im Senat weiter über eine Verschärfung der Rechtslage nach.

taz, 01.10.2012
von Sebastian Puschner

„Das Gras wird immer stärker“, ist eine der hartnäckigsten Kifferlegenden. Sie wurde nun widerlegt – durch die Senatsverwaltung für Inneres unter CDU-Chef Frank Henkel. Dessen Antwort auf eine Kleine Anfrage der Piraten im Abgeordnetenhaus zeigt: Der Wirkstoffgehalt in von der Polizei beschlagnahmten Cannabisprodukten hat sich in den vergangenen Jahren kaum verändert; zuletzt war der sogar leicht rückläufig. „Das Märchen vom immer härteren Gras bemühen all jene, die eine stärkere Verfolgung der Konsumenten wollen“, sagte der Sprecher für Sucht- und Drogenpolitik der Piraten-Fraktion, Simon Kowalewski, der taz. […]

Die Entwicklung des für die Rauschwirkung entscheidenden THC-Gehalts in beschlagnahmten Berliner Cannabisprodukten bietet indes keinen Anlass, härter gegen Kiffer vorzugehen. Knapp unter 10 Prozent lag der THC-Anteil bei Haschisch in den vergangenen sieben Jahren, 2011 ging er gar auf 8,15 Prozent zurück. Bei Cannabisblüten variierte der Wirkstoffgehalt kaum, er lag seit 2003 stets zwischen 11 und 13 Prozent. Das beschlagnahmte Cannabiskraut enthielt 2011 im Durchschnitt sogar nur knapp 3 Prozent THC.

Außerdem zeigen die vom Senat vorgelegten Zahlen, dass die Berliner Polizei ihre Cannabis-Beute seit Anfang der 90er Jahre kräftig erhöht hat: Beschlagnahmten die Beamten 1994 4 Kilogramm Marihuana und 85 Kilo Haschisch, waren es 2011 schon 280 und 96 Kilo. Besonders erfolgreich sind die Drogenfahnder in diesem Jahr: Bis Ende Juni kassierten sie bereits 260 Kilo Gras und 170 Kilo Hasch.

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