“Nur in Berlin werden so offen Drogen konsumiert”

Anette Hofmann vom Verein Fixpunkt, der in der Drogenhilfe und der Gesundheitsförderung tätig ist, informiert auf Partys über die Risiken beim Drogengebrauch und wie man sie minimieren kann.

Berliner Zeitung, 28.01.2013

Frau Hofmann, was ist Fixpunkt?

Fixpunkt ist Träger der Drogenhilfe, der ohne großen bürokratischen Aufwand arbeitet. Zudem dürfen auch Menschen zu uns kommen, die aktuell Drogen konsumiert haben. Der Auftrag von Fixpunkt ist es, sich um Substituierte und akut drogengebrauchende Menschen zu kümmern, die auch fixen. Ziel ist die Gesundheitsförderung und die Prävention in Bezug auf Hepatitis C und HIV. Deshalb verteilt Fixpunkt auch frische Spritzen, um das Infektionsrisiko der Konsumenten so gering wie möglich zu halten.

Wo sind Sie im Nachtleben unterwegs?

Auf den Berliner Partys machen wir seit 2011 Infostände zum Thema „Safer Use“ und zur Gesundheitsförderung der Partykonsumenten. Unser Ansatz ist Akzeptanz und Risikominimierung. Es ist doch albern, beim Thema Drogen und Partys in Berlin so zu tun, als ob das nicht existent wäre. In fast jedem größeren Club werden Drogen konsumiert. Wer einmal ins Berliner Nachtleben eintaucht, merkt schnell, wie viel Leute auf Droge sind.

Was bedeutet Gesundheitsförderung im Nachtleben?

Wir verteilen gratis „Safer Snorting Packs“, Tüten, in denen zum Beispiel zwei Plastikröhrchen enthalten sind. Viele Menschen wissen nicht, dass durch ein gemeinsam benutztes Röhrchen zum Beispiel Hepatitis C übertragen werden kann. Schon kleinste Mengen von getrocknetem Blut können ausreichen und der Virus überlebt an der Luft sehr lange. Zudem sind in der Tüte noch eine Unterlage, Alkohol zum Desinfizieren, ein Taschentuch und eine Nasenspülung. Ohrenstöpsel und ein Infoflyer zu den verschiedenen Drogen und ihren Wirkungsweisen und Risiken geben wir auch aus.

Analysieren Sie die Drogen auch?

Nein. Im Zuge der Gesundheitsförderung für Drogenkonsumenten würde ich mich aber darüber freuen, wenn wir endlich grünes Licht für unser „drugchecking“-Projekt bekommen würden, also die chemische Analyse der Drogen. Es ist leider eine politische Frage, ob ein Modellprojekt in Berlin finanziert werden kann, oder überhaupt gewollt wird. Fakt ist, dass drugchecking in vielen anderen Ländern bereits mit großem Erfolg durchgeführt wird, beispielsweise in Österreich, der Schweiz und Spanien, und dass es von den Konsumenten dankbar genutzt wird. Drugchecking kann Leben retten. Natürlich wäre ein Testen der Droge auch immer mit einer Beratung vor Ort gekoppelt. So können Hilfesuchende auch sofort in die Drogenhilfe weitervermittelt werden, wenn Bedarf besteht. […]

Informationen über die Initiative zur Analyse von Drogen: www.drugchecking.de

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