Kiffend in die Psychose

Cannabis ist weniger harmlos, als viele glauben: Es kann das Gehirn von Jugendlichen dauerhaft verändern und psychische Störungen bis hin zur Schizophrenie auslösen.

Die ZEIT, 09.12.2013
von Julia Völker

Das Gefühl von Wärme und Geborgenheit war lang ersehnt. Im Dunst des langsam verbrennenden, süßlich riechenden Marihuanas fühlte sich Finn Berger* endlich frei. Frei von den quälenden Gedanken und frei von der Anspannung, die sich seit Monaten durch sein Leben zogen. “Ohne die Drogen hätte ich das nicht geschafft”, sagt der 18-Jährige. “Ohne sie wäre ich vielleicht gar nicht mehr am Leben.”

Berger war 15, als sich seine Mutter das Leben nahm und er zu seinem ersten Joint griff. “Damals hatte ich keine Ahnung vom Leben und erst recht nicht davon, wie ich mit meinen Gefühlen umgehen soll”, sagt er. Er erinnert sich an die künstlichen Momente des Glücks, bevor sein Leben aufs Neue vollständig zusammenbrach, weil er sich unwissend selbst langsam zerstörte. Berger verfiel dem Cannabis. Jener Droge, die als weich gilt und deshalb von vielen unterschätzt wird.*

“Cannabis ist ein sehr großes Problem unserer Gesellschaft”, sagt der Psychiater Rainer Thomasius, Leiter des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Kaum jemandem seien die schwerwiegenden Folgen regelmäßigen Konsums bewusst, “insbesondere jungen Menschen in der Pubertät nicht”, sagt er.

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