Wünschenswertes Nichtrauchen gefährdet die Gesundheitsreform
Die Anhänger des Glimmstengels in Deutschland stehen
im 21. Jahrhundert vor einem fast Hamletschen Dilemma: Rauchen oder
Nichtrauchen - das ist die Frage. Und eine gar nicht so banale, wie
es auf den ersten Blick erscheinen mag.
Klar, eigentlich ist es so, wie man es auf jeder Zigarettenschachtel
warnend lesen kann: Rauchen gefährdet die Gesundheit! Andererseits
aber gefährdet Nichtrauchen die Gesundheitsreform. Um diese Reform
finanziell zu unterstützen, hat und wird man die Tabaksteuer
in drei Stufen um jeweils 1,2 Cent pro Zigarette erhöhen, im
März 2004, Dezember 2004, September 2005. Gut gedacht, nur alle
Finanzplanungen - wie wir es inzwischen schon leidvoll gewohnt sind
- stimmten nicht.
Einmal mehr hat man die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Der nämlich,
der Raucher, hat sich entweder der Zigarette entwöhnt, oder er
pafft weniger, raucht Schmuggelware, und viele drehen sich ihre Zigarette
wieder selbst, was wesentlich billiger kommt, da der lose Tabak bislang
geringer besteuert wird als der in fertigen Zigaretten.
Hans Eichel, unser Finanzminister ohne Fortüne, (wobei zur Erinnerung
erwähnt sei, daß Fortuna die Göttin mit dem Füllhorn
war), hat bereits nach der ersten Erhöhung bedeutend weniger
Tabaksteuer eingenommen als geplant. Nun bekommt er vor der nächsten
Erhöhung das große Zittern. Er schlug vor, sie zu verschieben,
wogegen sich sogleich Widerstand regte. Krista Sager von den Grünen
will nicht nur die Termine strikt eingehalten sehen, sondern auch
die Steuererhöhung auf Tabak für Selbstgedrehte erweitern.
Ulla Schmidt kennt keinerlei Pardon und verlangt von ihrem Kollegen
die zugesagten 4,2 Milliarden Euro - der arme Hans Eichel kennt nur
die Löcher in seinem Haushalt. Jetzt mokieren sich die Freunde
des makaberen Humors über ihn und witzeln: Vielleicht wäre
es wirklich besser, die Tabaksteuer nicht zu erhöhen, dann würden
die Raucher wieder mehr paffen und die Reform sanieren. Außerdem
würden sie dadurch früher sterben und so die Rentenkassen
entlasten. Ein makaberer Scherz!
Der Standpunkt der Ärzte in diese Frage ist konsequent und klar.
Kammerchef Hoppe macht sich für weitere Maßnahmen stark,
und mb-Chef-Montgomery fordert die Regierung auf, sie möge sich
entscheiden, "ob ihr das Leben oder das Geld der Bürger
wichtiger ist!"
Es bleibt also das Dilemma: Rauchen gefährdet die
Gesundheit _ Nichtrauchen die Gesundheitsreform! Das meint
Ihr Ironius
[Quelle: http://www.aerztezeitung.de/docs/2004/09/24/172a1501.asp?cat=/medizin/rauchen]