ARTIKEL DES MONATS

 

Der "Artikel des Monats" September 2004 ist zwar etwas länger aber es geht ja nicht um die Bildungsreform sondern um die Gesundheitsreform...


 

Wünschenswertes Nichtrauchen gefährdet die Gesundheitsreform

Die Anhänger des Glimmstengels in Deutschland stehen im 21. Jahrhundert vor einem fast Hamletschen Dilemma: Rauchen oder Nichtrauchen - das ist die Frage. Und eine gar nicht so banale, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag.
Klar, eigentlich ist es so, wie man es auf jeder Zigarettenschachtel warnend lesen kann: Rauchen gefährdet die Gesundheit! Andererseits aber gefährdet Nichtrauchen die Gesundheitsreform. Um diese Reform finanziell zu unterstützen, hat und wird man die Tabaksteuer in drei Stufen um jeweils 1,2 Cent pro Zigarette erhöhen, im März 2004, Dezember 2004, September 2005. Gut gedacht, nur alle Finanzplanungen - wie wir es inzwischen schon leidvoll gewohnt sind - stimmten nicht.
Einmal mehr hat man die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Der nämlich, der Raucher, hat sich entweder der Zigarette entwöhnt, oder er pafft weniger, raucht Schmuggelware, und viele drehen sich ihre Zigarette wieder selbst, was wesentlich billiger kommt, da der lose Tabak bislang geringer besteuert wird als der in fertigen Zigaretten.
Hans Eichel, unser Finanzminister ohne Fortüne, (wobei zur Erinnerung erwähnt sei, daß Fortuna die Göttin mit dem Füllhorn war), hat bereits nach der ersten Erhöhung bedeutend weniger Tabaksteuer eingenommen als geplant. Nun bekommt er vor der nächsten Erhöhung das große Zittern. Er schlug vor, sie zu verschieben, wogegen sich sogleich Widerstand regte. Krista Sager von den Grünen will nicht nur die Termine strikt eingehalten sehen, sondern auch die Steuererhöhung auf Tabak für Selbstgedrehte erweitern.
Ulla Schmidt kennt keinerlei Pardon und verlangt von ihrem Kollegen die zugesagten 4,2 Milliarden Euro - der arme Hans Eichel kennt nur die Löcher in seinem Haushalt. Jetzt mokieren sich die Freunde des makaberen Humors über ihn und witzeln: Vielleicht wäre es wirklich besser, die Tabaksteuer nicht zu erhöhen, dann würden die Raucher wieder mehr paffen und die Reform sanieren. Außerdem würden sie dadurch früher sterben und so die Rentenkassen entlasten. Ein makaberer Scherz!
Der Standpunkt der Ärzte in diese Frage ist konsequent und klar. Kammerchef Hoppe macht sich für weitere Maßnahmen stark, und mb-Chef-Montgomery fordert die Regierung auf, sie möge sich entscheiden, "ob ihr das Leben oder das Geld der Bürger wichtiger ist!"

Es bleibt also das Dilemma: Rauchen gefährdet die Gesundheit _ Nichtrauchen die Gesundheitsreform! Das meint

Ihr Ironius

[Quelle: http://www.aerztezeitung.de/docs/2004/09/24/172a1501.asp?cat=/medizin/rauchen]

Chill out findet: das dieser Aspekt viel zu selten in der Öffentlichkeit beleuchtet wird. Rauchen für die innere Sicherheit ist ja schon ein alter Hut - für die Volksgesundheit ist aber ein echter Hit!

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