MAZ 03.05 2004

Strafe verhindert nicht den Konsum

Der zweite Potsdamer Hanf-Befreiungstag

INNENSTADT. Keine Tumulte, keine hitzigen Diskussionen, keine Exzesse – während anderswo der 1. Mai recht derb begangen wurde, verlief der Tag für die Organisatoren des Liberation Day friedlich, ja fast beschaulich. Und das obwohl ihre Veranstaltung ein umstrittenes Thema zum Inhalt hatte: die Liberalisierung von Hanf.
Schon zum zweiten Mal fand der weltweit in 250 Städten begangene Tag nun in Potsdam statt. Ausgerichtet von Chill out, dem Verein für akzeptierende Drogenarbeit. Der musste sich bereits im Vorfeld für seine Veranstaltung rechtfertigen. Wie könne ein von der Stadt finanziell unterstützter Träger der Drogenprävention eine Hanf-Liberalisierungsaktion organisieren, hatte Volkmar Näder (CDU) Chill out kritisiert.
Ein Rundgang über den Bassinplatz, wo am Sonnabend ein Labyrinth mit Schautafeln und mehrere Informationsstände Interessierte .anlocken sollte, machte bereits deutlich, dass hier niemand zum Gras rauchen animiert werden sollte: Nirgends war eine Hanfpflanze zu sehen, von Kiffern ganz zu schweigen. Stattdessen tranken Eltern Bier und Cola, während ihre Kinder eine Hüpfburg in Beschlag nahmen.
Und auch inhaltlich ging es mehr als gesittet zu. Auf einer Podiumsdiskussion im Kino Melodie sprachen Politiker, Vertreter von Verbänden und Vereinen zum Thema.. "Wenn wir die Entkriminalisierung von Cannabis verlangen, ist dies nicht gleichzusetzen mit einer Aufforderung zum Kiffen", sagte Frank Prinz-Schubert von der Potsdamer Suchtprävention vor dem gut besetzten Auditorium. Seit sechs Jahren arbeitet er in der Drogenberatung und setzt sich für eine Enttabuisierung von Cannabis ein. "Wir müssen Alternativen zur momentanen Situation finden, denn so wie es jetzt ist, funktioniert es nicht", sagte Prinz-Schubert.
Ähnlich äußerte sich auch die Lindenpark-Chefin Monika Keilholz, die als Vertreterin der SPD an der Diskussion teilnahm. Sie schäme sich für die Politik, die es noch immer nicht geschafft habe, eine Lösung für das Problem zu finden. "Die Strafe verhindert nicht den Konsum", sagte sie und plädierte für die Freigabe von Cannabis.
ben

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