Der zweite Potsdamer Hanf-Befreiungstag
INNENSTADT. Keine Tumulte, keine hitzigen Diskussionen, keine Exzesse
– während anderswo der 1. Mai recht derb begangen wurde,
verlief der Tag für die Organisatoren des Liberation Day friedlich,
ja fast beschaulich. Und das obwohl ihre Veranstaltung ein umstrittenes
Thema zum Inhalt hatte: die Liberalisierung von Hanf.
Schon zum zweiten Mal fand der weltweit in 250 Städten begangene
Tag nun in Potsdam statt. Ausgerichtet von Chill out, dem Verein
für akzeptierende Drogenarbeit. Der musste sich bereits im
Vorfeld für seine Veranstaltung rechtfertigen. Wie könne
ein von der Stadt finanziell unterstützter Träger der
Drogenprävention eine Hanf-Liberalisierungsaktion organisieren,
hatte Volkmar Näder (CDU) Chill out kritisiert.
Ein Rundgang über den Bassinplatz, wo am Sonnabend ein Labyrinth
mit Schautafeln und mehrere Informationsstände Interessierte
.anlocken sollte, machte bereits deutlich, dass hier niemand zum
Gras rauchen animiert werden sollte: Nirgends war eine Hanfpflanze
zu sehen, von Kiffern ganz zu schweigen. Stattdessen tranken Eltern
Bier und Cola, während ihre Kinder eine Hüpfburg in Beschlag
nahmen.
Und auch inhaltlich ging es mehr als gesittet zu. Auf einer Podiumsdiskussion
im Kino Melodie sprachen Politiker, Vertreter von Verbänden
und Vereinen zum Thema.. "Wenn wir die Entkriminalisierung
von Cannabis verlangen, ist dies nicht gleichzusetzen mit einer
Aufforderung zum Kiffen", sagte Frank Prinz-Schubert von der
Potsdamer Suchtprävention vor dem gut besetzten Auditorium.
Seit sechs Jahren arbeitet er in der Drogenberatung und setzt sich
für eine Enttabuisierung von Cannabis ein. "Wir müssen
Alternativen zur momentanen Situation finden, denn so wie es jetzt
ist, funktioniert es nicht", sagte Prinz-Schubert.
Ähnlich äußerte sich auch die Lindenpark-Chefin
Monika Keilholz, die als Vertreterin der SPD an der Diskussion teilnahm.
Sie schäme sich für die Politik, die es noch immer nicht
geschafft habe, eine Lösung für das Problem zu finden.
"Die Strafe verhindert nicht den Konsum", sagte sie und
plädierte für die Freigabe von Cannabis.
ben